Krisenkommunikation und Nachrichtenwert

Forschungsprojekt: Nachrichtenwert von Krisen und Konflikten. (stock.xchng)
Wie reagieren Medien auf internationale Krisen und bewaffnete Konflikte? Welchen Nachrichtenwert messen sie diesen zu? Diesen gerade wieder aktuellen Fragen geht ein Forschungsprojekt des kürzlich gegründeten Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität Jena sowie des Instituts für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft der Universität Koblenz-Landau nach, das von der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) gefördert wird. Dabei soll aufgezeigt werden, wie auf Grund des dynamischen Wechselspiels zwischen politischen, militärischen und medialen Akteuren Nachrichten entstehen, die von Entscheidungsträgern der Aussen- und Sicherheitspolitik als Risikofaktoren wahrgenommen werden.
Bislang sei wenig bekannt über die Wechselwirkung von medialer Berichterstattung mit Entscheidungsprozessen und öffentlicher Meinungsbildung, meint dazu der Studienleiter in Jena, Prof. Georg Ruhrmann. Daher stehen Fragen im Zentrum der Untersuchung wie: Veranlassen zunehmend die Medien krisenhafte Zuspitzungen? Und wie verhalten sich Politiker medial als Krisenmanager?
Dem Projekt liegt der typische Verlauf einer Krise in vier Phasen zugrunde: Prävention, Eskalation und Management, Lösung, Aussöhnung. Analysiert werden sollen jeweils die Risikofaktoren, die politische Debatten, die Kriterien der Nachrichtenauswahl sowie die Bewertung politischer Entscheidungen durch Fernsehzuschauer.

Phasenspezifische Kommunikation
Anhand dieser Merkmale öffentlicher Kommunikation verändert sich phasenspezifisch je nach Krisentyp die Kommunikationsdynamik im Nachrichtenprozess. Im Mittelpunkt stehen daher internationale Krisen und Konflikte, bei denen es zumindest potenziell zum Einsatz von Gewalt in Form von Kriegshandlungen, militärischen Interventionen, Terrorismus, Guerillakriegen, Grenzverletzungen und Truppenbewegungen kommt. Untersucht werden soll auch, über welche internationalen Konflikte und Krisen in den deutschen Medien nicht berichtet wird. Besonders in der Frühphase werden Konflikte oftmals von den Medien und damit der breiten Öffentlichkeit übersehen - obwohl gerade in dieser Phase ihr potenzieller Einfluss und ihre Definitionsmacht am grössten sind.
Aus der Studie sollen konkrete Handlungsempfehlungen für Medienakteure und Entscheidungsträger abgeleitet werden. Zusätzlich werden anhand der Befunde weiterführende Module einer strategischen Öffentlichkeits- und Medienarbeit im Krisenfall konzipiert, die später auch in Lehrgängen etc. vermittelt werden können.
Bildquelle: ift Institut für Friedenspädagogik, Tübingen
» Drucken 06.01.2009 16:37
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