InFAMtiles im «Blick»

Pressefreiheit

Eigentlich habe ich mich bislang immer etwas gegen Pauschalisierungen wie «alte Männer mit Kugelschreiber» oder «Internetausdrucker» [1] gesträubt. Doch das hat sich nach der Lektüre dieser Kolumne [2] von Frank A. Meyer im letzten «Sonntags-Blick» radikal geändert! Darin bezeichnet er das Internet als angeblich rechtsfreien Raum und diffamiert den netzwertig.com-Autoren Marcel Weiss als Vertreter einer «vulgären Ideologie» und «Internetfreak», der «unter dem romantischen Signet der Piratenflagge die Umwertung der bisher gültigen Werte» betreibe. Warum? Weil er - so wie ich in diesem Beitrag hier [3] - die Fakten auf den Tisch gelegt hat.

Vor allem die Unterhaltungsindustrie, Künstler sowie Autoren würden darunter leiden, dass ihre Werke im Internet kostenlos «downgeladen [sic] werden». Internetnutzer, Piratenparteien und andere werden als Jugend- und Anarchiebewegung dargestellt, die Kulturschaffende systematisch enteignen würden. Abgesehen davon, dass Meyer sich bereits mehrfach abschätzig über das Internet geäussert hat, ist diese Kolumne das jüngste Beispiel eines subjektiven Meinungsjournalismus, der auf billigste Art und Weise Meyers eigene und die Interessen des Verlagshauses Ringier durchzusetzen versucht. Die Bezeichnung des Internets als rechtsfreier Raum ist eine irreführende Behauptung, um die öffentliche Debatte über eine dringend nötige Revision des Urheberrechts gezielt zu manipulieren. Ringier ist und bleibt die wahre «Klowand des Internets» [4] - vollgeschmiert mit den Ergüssen vermeintlicher Journalisten, difFAMierend, inFAMtil und «hoffnungslos out» (O-Ton Meyer).

«Rasputin des Medienhauses Ringier» [5]

Doch wer ist dieser Frank A. Meyer? Die Mehrheit meiner deutschen Leserschaft wird mit diesem Namen - sorry, FAM, ist nun mal so; in Deiner Wahlheimat kennen Dich höchstens die vier regelmässigen Leser des «Cicero» - nichts anfangen können. Nun, Meyer war einmal das publizistische Aushängeschild des Ringier-Konzerns. Heute ist er «ein Journalist, mittlerweile pensioniert, der in Berlin lebt» [6]. Die Karriere des Arbeitersohns aus Biel, der nach abgebrochenem Gymnasium zunächst Schriftsetzer lernte, ist eng mit dem Boulevard Schweizerischer Prägung - namentlich Ringer - verbunden. Dieser Boulevard hatte stets, dies im Gegensatz zum deutschen Springer-Konzern, einen linksliberalen Drall, den vor allem Meyer verkörpert. Darum schafft er in dieser Kolumne auch den unglaublichen Spagat, Piraten und Raubtier-Kapitalismus im selben Atemzug zu nennen. Meyers Lieblingsfeindbild, die «Weltwoche» (die er schon mal als «rechtsradikales Sektenblatt» diffamiert und gegen die er auch einen Prozess angestrengt und verloren hat [7]; überhaupt scheint Meyer sehr nachtragend zu sein - oder ist es Zufall, dass er in seiner Kolumne ausgerechnet einen Blogwerk-Blogger angreift? [8]) schrieb bereits 2004 einen Abgesang auf den «Latrinenjournalist» [9]:

Er könnte der beste, der erste Journalist des Landes sein und spielt doch nur die elende Rolle eines zweitklassigen Politikers. [10]

Quellen

Damit sich hier auch Menschen wie FAM zurecht finden, habe ich auf das übliche Setzen von Links verzichtet und führe alle Quellen als Endnoten an:

[1] http://blog.koehntopp.de/archives/2518-Falscher-Planet,-falsches-Jahrtausend.html
[2] http://www.blick.ch/news/fam/basta-125570
[3] http://www.wortgefecht.net/netzkultur/musikgenuss-ohne-labels/
[4] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,397397,00.html
[5] http://www.liberal-award.ch/1519/1654.html
[6] http://blog.persoenlich.com/?p=452
[7] http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/leute/Rechtsradikales-Sektenblatt-Neuer-Schlagabtausch-MeyerKoeppel/story/10640295
[8] http://medienlese.com/2008/04/11/frank-a-meyer-lilliput-putt/
[9] http://www.kreuz.net/article.5333.html
[10] http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2004-51/artikel-2004-51-der-herr-der-schwachen-und-eitlen.html

Bildquelle: taz

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| Artikel drucken Drucken | 10.08.2009 01:49

diego on 11.08.2009 22:40

"Schriftsteller und Musiker verlieren im Netz das Recht auf ihre Werke: Alles kann, alles darf heruntergeladen werden. Gratis.", schreibt FAM.

Zum Glück gibt es in dieser schrecklichen Zeit selbstlose Autoren wie FAM, die ihre Texte zur legalen und kostenlosen Nutzung ins Netz stellen. Und somit freiwillig auf die Rechte an ihren Werken verzichten.

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