Flurbereinigung bei den Holzmedien

Die Holzmedien und das Internet: Eine unendliche Geschichte. (stock.xchng)
Ist es nun eine selbsterfüllende Prophezeiung oder einfach das Unvermögen der gedruckten Presse? Klar ist nur, dass die gegenwärtig sehr angespannte Wirtschaftslage zu einer grossen Flurbereinigung im Printbereich führt. Die Zeichen standen schon länger auf Sturm, manche haben sogar schon das komplette Verschwinden der Zeitung angekündigt. Tatsache ist jedoch, dass die Zeitungen, konfrontiert mit rückläufigen Leserzahlen, einer Flaute auf dem Anzeigenmarkt und dem ständig wachsenden Wettbewerb im Netz, immer stärker unter Druck geraten. Parallel zu fast täglich neuen Schreckensmeldungen aus dem US-Zeitungsmarkt kommt dort, aber auch in Europa neuerlich die Frage auf, wie die Printmedien ihr Überleben in Zukunft sicherstellen können. Für einige zentral ist offenbar eine Rückkehr zu einem bereits totgesagten Geschäftsmodell: kostenpflichtiger Online-Inhalte.
So gewinnen Geschäftsmodelle wie jenes des «Wall Street Journals» oder der «Financial Times», die zumindest teilweise Geld für ihren Online-Content verlangen, scheinbar wieder an Attraktivität. Ein Trugschluss, wie man schnell erkennen kann. Der Zug für kostenpflichtige News im Netz ist klar schon abgefahren. Die Leser, die heute ein breit aufgestelltes, crossmediales Angebot einer oder mehrerer Zeitungen konsumieren, sind nicht mehr bereit, für schlichte Nachrichten, die jetzt kostenlos sind, zu bezahlen. Information ist heute ein überall und jederzeit kostenlos erhältliches Alltagsgut. Von der Gratiszeitung über den Webauftritt bis hin zum Newsreader auf mobilen Endgeräten - zumindest die Versorgung mit General-Interest-Themen sind dadurch mehr als abgedeckt.
Auch hier: Die Chance liegt in der Nische
Verschiedene kostenpflichtige Plattformangebote und Zusatzdienste, die dem Nutzer einen echten Mehrwert bieten, lassen sich wohl auch in Zukunft monetarisieren. Für Inhalte, die sonst nur schwerlich auffindbar sind, lässt man gerne etwas Geld springen. Als Beispiel seien hier Themendossiers, Archivdienste oder Bildrecherchen genannt. General-Interest-Medien werden in Zukunft wohl diesen Weg gehen (müssen). Anders hingegen ist die Situation für Anbieter von Special-Interest-Themen. Sie lebten bislang zuweilen sehr gut mit dem Verkauf ihrer Inhalte und werden das wohl auch weiterhin tun. Die beiden weiter oben genannten Beispiele «Wall Street Journals» und «Financial Times» sind im Grunde genommen nämlich auch Special-Interest-Titel, die es sich leisten können, Geld für ihre Inhalte zu verlangen.
Den Transformationsprozess nutzen
Trotz klarer Absage an das Bezahlen von Online-Nachrichten stehen die Verlage jedoch vor der Frage, wie in Zukunft wirtschaftlich gearbeitet und die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich gemeistert werden können. Finanzielle Probleme sind vor allem dieser Tage nicht von der Hand zu weisen und haben bereits auf unterschiedlichen Ebenen zum Umdenken geführt. Aber auch ohne zusätzlichen Druck aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise befindet sich die Zeitungsbranche nach wie vor in einem Transformationsprozess. Mit der Digitalisierung haben sich traditionelle Geschäftsfelder verlagert, zugleich werden ganz neue Produkte und Vertriebswege unter dem Markendach Zeitung entwickelt. Anders als zum Beispiel die Film- oder Musikindustrie hat die Branche hier einen gewichtigen Vorteil - sie verfügt bereits zu grossen Teilen über geeignete Verteilkanäle. Aber es liegt an den Verlagen, diesen Vorteil auch zu nutzen. Die schöne neue Medienwelt ist da. Sich dieser Tatsache zu verschliessen, bedeutet über kurz oder lang das Ende. Wer nicht aus den Fehlern der Musikbranche lernen will, wird verschwinden. Punkt.
Quelle u.a.: pte
|
Drucken | 03.03.2009 10:13
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.


Das Wiki befasst sich mit Social Media und deren Einfluss auf PR, Marketing und traditionelle Medien.
Kommentar schreiben