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Die TV-Revolution im Netz

Remote Control
TV steht vor ähnlichen Umwälzungen wie die Musik-Industrie. (stock.xchng)

Nach der Musikindustrie und den Holzmedien wird in Zukunft auch das Fernsehen durch das Internet stark unter Druck geraten. Die wesentlichen Entwicklungen sind dabei vom raschen Zusammenwachsen der verschiedenen Medien, der so genannten Konvergenz, geprägt. Die zunehmende Verbreitung hoher Bandbreiten und mobiler Endgeräte hat die Nachfrage nach Programmen für Handy-Dienste, Web-TV und On Demand-Angebote angekurbelt. Gleichzeitig haben immer effizientere und billigere Produktionswerkzeuge die Herstellung von audiovisuellen Medien wesentlich vereinfacht. Mit technisch ausgereifter, kostengünstiger Hardware und kostenloser Open Source-Software kann heute nahezu jeder auch Bewegtbilder produzieren, die - zumindest technisch - auf einem hohen Niveau sind. Die neuen Distributions- und Präsentationsmöglichkeiten im Netz verändern aber auch die Nutzungsgewohnheiten und damit den Medienkonsum allgemein.

Hannes Raffaseder, Leiter des Instituts für Medienproduktion an der Fachhochschule St. Pölten beschrieb den Wandel des Fernsehens gegenüber Pressetext wie folgt: «Noch vor wenigen Jahren war es dem Durchschnitts-User schlicht und einfach nicht möglich, qualitativ anspruchsvolle Videos dermassen einfach herzustellen und zu vertreiben wie heute. Die technologische Entwicklung hat in Kombination mit dem Erfolg von Portalen wie YouTube eine immense Vielfalt an Inhalten hervorgebracht.» Gleichzeitig seien die Medieninhalte von klassischen TV-Sendern einer zunehmenden Vereinheitlichung unterworfen, mit dem Resultat, dass die verschiedenen Sendungen im Endeffekt auf eine handvoll unterschiedliche Formate reduziert werden könnten. Dabei gehen zwangsläufig Themen unter, deren Nachrichtenwert noch vor einigen Jahren als hoch genug eingestuft wurde, um darüber zu berichten. Ein ähnliches Phänomen kann man übrigens bei den Radiosendern beobachten, deren Musikangebote sich gleichen wie ein Ei dem anderen.

König Kunde

Weitere entscheidende Faktoren für die Zukunft des Mediums TV sind Interaktivität und Mobilität. Wann, wo und wie lange Inhalte konsumiert werden, bestimmen ausschliesslich die Zuschauer, nicht mehr die Medienanbieter. Während in der Musikbranche dieser Schritt schon weitgehend vollzogen ist und grosse Musikarchive auf MP3-Playern überall hin mitgenommen werden, ist dieser Prozess im Film- und Videosektor gerade erst in vollem Gange. «Der Vergleich mit der Musikindustrie ist völlig zutreffend. Die veränderten Hörgewohnheiten der User werden in ähnlicher Form auch auf dem TV-Sektor passieren», meint Raffaseder.

Medienkompetenz gefordert

Von diesen Umwälzungen sind jedoch nicht nur die Produzenten betroffen. Die Auswirkungen sind weitreichend und betreffen letztendlich alle. «Neben neuen, zusätzlichen Herausforderungen im Bereich der Medienproduktion sind von diesen Umwälzungen vor allem die Endverbraucher betroffen. Sie müssen wieder zu einem kritischen Medienkonsum zurückkehren und ihr Reflexionsvermögen nutzen, um sich in der Fülle der verschiedenen Inhalte zurechtzufinden», fasst Raffaseder zusammen. Allerdings wird das Internet - wie alle ehemaligen «neuen Medien» auch - keine Vorgänger endgülig verdrängen.

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» Drucken 10.11.2008. 10:32

Björn on 10.11.2008. 16:40

In gewisser Hinsicht muss ich dir zustimmen, denn für mich und viele meiner webaffineren Freunde spielt das traditionelle Fernsehen kaum noch eine Rolle. Allerdings bin ich mir ganz und gar nicht sicher, ob so eine größere Medienkompetenz überhaupt von allen Zuschauern gewollt wird. Ich habe diese Idee einmal in einem eigenen Beitrag so formuliert, dass die Frage nach der Zukunft des Fernsehens stark mit der persönlichen Entscheidungsfreudigkeit verbunden ist. Wer auf die selbstständige Gestaltung des Programms großen Wert legt, wird die neuen Möglichkeiten mit Kusshand begrüßen. Was aber mit denjenigen, die überhaupt nicht darüber nachdenken wollen, was sie sich anschauen? Die also gar keine Lust haben, sich selbst über ihr Programm Gedanken zu machen? Ich bin mir nicht sicher, ob diese Konsumenten sich der Interaktivität zuwenden werden. Vielleicht wird es also in Zukunft ein zweigeteiltes Angebot geben. Oder es müssten intelligente Technologien oder Empfehlungsfunktionen verfügbar sein, die diese Entscheidungen übernehmen.

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