Bürgerjournalismus unter Beschuss

Fotografier- und Filmverbot
Fotografier- und Filmverbot (jjaf.de)

Auf «Macworld» konnte man nachlesen (in der deutschsprachigen Presse wurde kaum davon berichtet; das einzige was ich über Google News gefunden habe, ist dieser Artikel auf «Oe24»), dass der französische Verfassungsrat am 3. März ein Gesetz bewilligt hat, das nur noch professionellen Journalisten erlaubt, Videos von Gewaltszenen aufzuzeichnen und zu verbreiten.

Auch an einem 3. März, vor 16 Jahren, haben Polizisten in Los Angeles Rodney King brutal angegriffen — möglicherweise aus rassistischer Motiven. George Holliday, der die ganze Szene gefilmt hat, wäre nach dem neuen französischen Gesetz ein Verbrecher und ihm würden bis zu 5 Jahren Gefängnis sowie eine Geldstrafe von bis zu €75'000 drohen. Weil er tapfer genug war, die beispiellose Polizeigewalt aufzuzeichnen, versteht sich.

Wie man im Artikel auf «Macworld» nachlesen kann, zielt dieses totalitäre Gesetz laut offizieller Seite auf das sogenannte Happy Slapping ab, also diesen bescheuerten Brauch, bei dem ein unschuldiges Opfer vor laufender (Handy-)Kamera zusammengeschlagen wird. Der Punkt ist jedoch, dass es bereits Gesetze gibt, die die Ahndung solcher Aktionen ermöglichen.

Aber als ob dieses Verbot der Amateur-Aufzeichnung auch von Polizeigewalt nicht genug wäre, hat die französische Regierung noch ein Zertifizierung vorgeschlagen, mit der sich Inhalte kennzeichnen müssen, die von der Regierung genehmigt wurden:

«The government has also proposed a certification system for Web sites, blog hosters, mobile-phone operators and Internet service providers, identifying them as government-approved sources of information if they adhere to certain rules.»

Wie die «Reporter ohne Grenzen» zu Recht kritisieren, würde ein solches System wohl die Selbstzensur auf den Internetauftritten der etablierten Medien massiv verstärken. Zudem würde wohl kaum ein Bürgerjournalismus-Projekt zertifiziert werden - ausser es gibt sich dezidiert unkritisch.

Interessant ist übrigens auch die Tatsache, dass das Gesetz vom aussichtsreichen Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy eingebracht worden ist. Sarkozy wird in solchen Dingen beraten vom bekannten Loïc Le Meur, Vice-President & Managing Director Europe von Six Apart, der auch schon am WEF aufgetreten ist. Es wäre spannend zu wissen, ob und was LeMeur dazu beigetragen hat. Six Apart ist, für alle, die es nicht wissen, die Firma hinter der Blogsoftware TypePad und MovableType.

(Via paxx:blog, danke Matt!)

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| Artikel drucken Drucken | 07.03.2007 12:50

Tadeusz Szewczyk on 08.03.2007 12:11

Kill the Messenger!

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