Wenn der Marktforscher 2x klingelt
Mit der Marktforschung ist es so eine Sache. Einerseits ist sie unverzichtbar, auf der anderen Seite stellt sich die Frage nach der Seriosität. Gerade letztere garantieren bekannte Namen nicht in jedem Fall. So geschehen im vergangenen Mai in der Schweiz: Eine ehemalige Mitarbeiterin des Telefonlabors Winterthur von Demoscope packte gegenüber dem Konsumentenmagazin «K-Tipp» aus, man habe «manchmal» von ihr während ihrer fünfmonatigen Tätigkeit als Telefon-Interviewerin «fiktive Interviews» verlangt. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe wurde das Labor vorübergehend geschlossen, ist aber mittlerweile wieder in Betrieb. Sabinne Langhart, so der Name der Whistleblowerin, wurde mittlerweile von einem anderen Konsumentenmagazin, dem «Beobachter», für den «Prix Courage» nominiert.
Demoscope selber geht nun in die Offensive und behauptet gegenüber dem Branchenblatt «Persönlich», das Labor hätte wegen den finanziellen Folgen und dem Imageschaden geschlossen werden müssen. Geschäftsleitungsmitglied Roland Huber möchte nicht von einem Skandal sprechen. Er meint, Demoscope sei Opfer eines «Komplotts» geworden und schiebt die Schuld der damaligen Leitung des Labors in die Schuhe:
Wir wissen heute, dass die Leitung vor Ort damals einzelnen Interviewer konkrete Anweisungen gab, Interviews zu manipulieren.
Besonders betroffen waren damals Kunden aus der Finanzbranche und damit wohl auch einer meiner ehemaligen Arbeitgeber. Trau, schau, wem.
Chronologie der Ereignisse
- Artikel im «K-Tipp» 09/2008 (nur Abo)
- Beitrag im «Tages-Anzeiger» (PDF) vom 24.05.08
- Medienmitteilung Demoscope
- Medienmitteilung des Verbands Schweizer Markt- und Sozialforscher vsms (PDF)
- Artikel im «K-Tipp» 15/2008
- Interview mit Roland Huber im «Persönlich»
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Drucken | 18.09.2008 10:44
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