Elektronische Märkte wie zum Beispiel eBay erhöhen nicht nur die Anzahl der Marktteilnehmer dramatisch, sie verändern auch die herkömmliche Rollenaufteilung zwischen Konsumenten und Produzenten. Nutzer treten nicht mehr nur als Käufer auf, sondern gleichzeitig auch als Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen. Der Konsument («Consumer») nimmt somit eine aktivere Rolle ein und übernimmt auch klassische Aufgaben des Produzenten («Producer») - er wird zum «Prosumer» (Alvin Toffler: The Third Wave, 1980). Damit ändert sich auch allgemein die Einstellung zum Güterbesitz: Weg vom Anhäufen von Produkten und Waren hin zu einer «Auktionskultur», die durch temporären Besitz und Wiederverkauf gekennzeichnet ist.
Dieser gesellschaftliche Trend zum «rotierenden Besitz» zeichnet sich immer deutlicher ab. Im Unterschied zu früheren Generationen wird also der Besitz von Einrichtungsgegenständen, Büchern oder Kleidungsstücken häufig nicht mehr als dauerhaft angesehen, sondern von vornherein als zeitlich begrenzt.
Soziologen der Goethe-Universität Frankfurt starten gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung IZT (Berlin) und dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit (Berlin) ein Projekt zur Erforschung dieses Trends: Die Wissenschafter wollen herausfinden, inwiefern der Trend nachhaltigen Konsum ermöglicht. Kurbelt die «Auktionskultur» einen nachhaltigeren Umgang mit Produkten an? Neben dieser Frage soll auch untersucht werden, ob und inwieweit dieser Trend gegenläufige Tendenzen hervorbringt, indem er generell zum vermehrten und schnelllebigen Konsum beiträgt.
Das Forschungsprojekt ist auf zweieinhalb Jahre angelegt und wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Projektpartner ist eBay. Die Untersuchung startet im Herbst 2008 mit einer breit angelegten Befragung zum Nutzungsverhalten von privaten eBay-Käufern und -Verkäufern. Mit Hilfe der so gewonnenen Erkenntnisse wollen die Wissenschafter langfristige Innovationsstrategien zum nachhaltigen Konsum entwickeln. Erste Zwischenergebnisse werden Anfang 2009, ein Abschlussbericht 2010 erwartet.
Quelle: innovations-report.de
» Drucken 08.09.2008. 12:28
Michael on 08.09.2008. 21:15
Sehr interessanter Ansatz. Ein Wiederverkauf eines Gutes könnte in der Tat die Lebenszeit desselben verlängern. Wenn es jedoch bei den Konsumenten vermehrt zu einer Bindungsarmut kommt, dann fliegen die Sachen gegebenenfalls auch schneller auf den Müll. Mal sehen was die Forscher herausfinden werden.
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