Die Quote vom Handy

Handy-Software verfolgt Konsumenten quer durch die Medien. (stock.xchng)
Eine kleine Firma aus den USA versucht Bewegung in die Werbewirkungs- und Reichweitenmessung zu bringen. Die Quoten werden bislang bekanntlich je nach Medium zumeist gesondert ausgewertet. Methoden zur universellen Beobachtung der Konsumentenansprache sind rar. Integrated Media Measurement (IMMI) will jetzt den Spagat zwischen mehreren Kanälen auf einmal schaffen und verfolgt das Nutzungsverhalten gleichzeitig im TV, Kino, Radio, Internet und im Mobilfunkbereich. Dazu wurde eine spezielle Handy-Software entwickelt, die Audioaufnahmen macht, während eine Sendung oder ein Spot konsumiert wird. Diese werden kodiert und dann in einer Datenbank des Unternehmens gespeichert und ausgewertet. Die Datenbank umfasst Codes für diverse Medieninhalte wie TV-Shows, Werbespots, Filme und Songs, wie das «Wall Street Journal» berichtete.
Über den Einsatz des Handys wird eine Konsumenten-basierte Beobachtung unabhängig vom Aufenthaltsort und ohne Bindung an nur ein einzelnes Medium möglich. Das Handy vereinfacht die Arbeit, weil die Konsumenten nicht extra in ein Labor kommen, Fragen beantworten oder Knöpfe drücken müssen. Teilnehmer erhalten 50 Dollar pro Monat oder ein Gratis-Handy und den Erlass der Telefonkosten, wenn sie dafür nur noch das Mobiltelefon des Unternehmens benutzen und es ständig mit sich tragen. Das IMMI-System hält zum Beispiel fest, wenn ein Konsument einen bestimmten Filmtrailer sieht bzw. ob der betreffende Streifen dann auch im Kino angeschaut wird. Ebenso wertet die Software das TV-Nutzungsverhalten aus: Die Daten zeigen, ob jemand, der eine Programmvorschau konsumiert hat, in weiterer Folge auch die jeweilige Sendung dazu anschaut. Beobachtet werden rund 4'900 Nutzer, die dem Unternehmen freiwillig als Teilnehmer zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: In Deutschland nehmen rund 5'640 Haushalte am Panel für die TV-Einschaltquoten teil.

Das Konzept, das auf Medieninhalte angewendet wird, soll in Zukunft auch auf Produkte wie Shampoo oder Zahnpasta ausgeweitet werden. Derzeit testet das Unternehmen seine Technologie mit einer US-Lebensmittelkette. Voraussetzung für den Einsatz des universellen Messinstruments ist eine Audio-Komponente. So können Print- und Aussenwerbung auch bei IMMI nicht miteingeschlossen werden. Dennoch sind auch schon grosse Wettbewerber wie Nielsen auf das Unternehmen aufmerksam geworden und wollen nun gemeinsam mit IMMI einen Service anbieten, der die Werbewirkung in Bars, Hotels oder im Büro untersucht. Walt Disneys US-Sender ESPN sowie die Mediaagentur Zenith Media haben bereits Verträge zu einer Zusammenarbeit unterzeichnet.
Quellen: wsj, pte
|
Drucken | 21.10.2008 09:57
Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.






Unabhängige Beratung 2.0 - Kommunikation im Social Web für KMU, NGO und Selbständig-erwerbende.
Das Wiki befasst sich mit Social Media und deren Einfluss auf PR, Marketing und traditionelle Medien.
Kommentar schreiben