
Nielsen/NetRatings, einer der führenden Online-Marktforscher, hat gestern in den USA angekündigt, in Zukunft bei ihren Ratings auf die Messung der Page Views zu verzichten. Stattdessen wird neu gemessen, wie lange User auf einer Seite verweilen. Damit wird einer der letzten Web 1.0-Zöpfe abgeschnitten.
Moderne Technologien wie AJAX einerseits, die es ermöglichen, einzelne Teile einer Webseite ständig zu aktualisieren, ohne die ganze Seite neu laden zu müssen, und das veränderte Nutzerverhalten andererseits - z.B. Videos auf YouTube et alt. - machen die Page Views mehr und mehr obsolet. Nielsen misst bereits die durchschnittliche Zeit, die User auf einer Seite verbringen, und die durchschnittliche Anzahl Sessions per User. Neu wird nun eben auch das Total der auf einer Seite verbrachten Zeit erfasst.
«Based on everything that's going on with the influx of Ajax and streaming, we feel total minutes is the best gauge for site traffic. We're changing our stance on how the data should be», sagt Scott Ross vom Product Marketing bei Nielsen. Die Firma wird weiterhin die Page Views reporten, aber kein Ranking basierend auf den Werten mehr vornehmen. Der grösste Konkurrent von Nielsen, comScore Media Metrix, hat ebenfalls Veränderungen in peto: Neu werden sog. visits gemessen - der Anzahl der Besuche einer Seite durch einen User, die zeitlich jeweils mindestens 30 Minuten auseinanderliegen.
Neu: Yahoo vor MySpace
Welche Auswirkungen das neue Messverfahren hat, illustriert dieses kleine Beispiel. Beim traditionellen Page View-Ranking liegen die Seiten von Fox Interactive Media (MySpace u.a.) deutlich vor Yahoo, dass nur rund zehn Prozent der Page Views von Fox erreicht. Aber die Nutzer verbringen deutlich mehr Zeit auf Yahoo als auf Seiten von Fox. Bei MySpace z.B. wird bei jeder Veränderung des Nutzerprofils die ganze Seite neu geladen, während Yahoo vermehrt auf AJAX setzt. Ich erhoffe mir davon jedenfalls aussagekräftigere Rankings, die das Nutzerverhalten besser und transparenter abbilden.
» Drucken 10.07.2007. 09:52
endlich. dauert das jetzt noch 10 jahre bis es alle kapieren? wird auch irgendwie abgefangen, dass eine seite im hintergrundtab offen ist oder ein visit aus der eigenen online-redaktion kam? reload scheint ja aus den visits draussen … die frage ist nur nach was sich nun der werbe-tkp berechnet. PI oder UV.
gis on 10.07.2007. 10:17
Frag mich Dinge, die ich weiss ;) Keine Ahnung, ob eigene Visits ausgescreent werden - aber ich nehm es mal an. Die Jungs von Nielsen sind keine Anfänger. Und die Frage nach dem TKP hat sie nur am Rand zu interessieren - dafür sind schliesslich die Mediaplaner da.
EuroYank on 10.07.2007. 11:24
Alles klar!Tolle seite.
EuroYank on 10.07.2007. 11:48
Freut mich das sie meine Ecke gefunden habe!
Daniela on 10.07.2007. 17:06
Toll, dann nützen mir die langen Verweildauern meiner Besucher endlich etwas :-)
LD on 13.07.2007. 10:59
Grundsätzlich ist es richtiger, die effektive Verweilzeit auf einer Seite zu messen als bloss die Anzahl der Seitenaufrufe. Aber auch für das neue Messverfahren gilt: "wer misst, misst Mist".
Solche Mediennutzungsmessungen gehen immer von Idealbedingungen aus, die vielerorts nicht gegeben sind. Bei mir z.B. schon gar nicht. Ich habe meist mehrere Webseiten gleichzeitig aktive und multitaske besonders beim Lesen von News. Mit den tabbed browsing Features des Firefox ist dies sehr komfortabel. Aber auch ich kann nur eine Seite auf einmal lesen. Wenn User ihre Cookies beim Schliessen des Browsers löschen, die Speicherung von Flashdaten nicht zulassen, den Referrer unterdrücken und einen AdBlocker installiert haben, führt das zu ganz anderen Resultaten. Mir ist auch schleierhaft, wie die Verweildauer auf der letzten Seite gemessen werden soll.
Die korrekte Messung der Mediennutzung ist und bleibt ein Problem, das ohne einen Spy-Agent beim User nicht gelöst werden kann.
gis on 13.07.2007. 12:01
@LD:
Das ist absolut korrekt. Reichweiten bei den traditionellen Massenmedien werden ja auch über einen "Spy-Agenten" in einem Panel gemessen (z.B. Telecontrol) und anschliessend hochgerechnet. Dort allerdings besteht der Vorteil, dass die Anzahl der Kanäle sehr begrenzt ist.
Im Online-Bereich besteht m.W.n. nichts vergleichbares - es ist m.E. auch nicht so einfach realisierbar. Die Grundgesamtheit von Alexa z.B. ist für mich nicht repräsentativ (kurz: zu "Geek-lastig"). Aber irgendwie muss das legitime Interesse der Werbetreibenden nach Reichweiten ja bedient werden. Es sei denn, man verzichtet ganz auf Werbung mit Streuverlust. Aber das wird wohl kaum je passieren.
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