Wie ticken Marketers?

Eine Momentaufnahme bei Marketers (10kmarshmallows.com)
Was geht eigentlich in den Köpfen von Marketingverantwortlichen vor? Dieser Frage vesuchten die Marktforscher von Anderson Analytics in den USA nachzugehen. Im Auftrag der «Marketing Executives Networking Group» (MENG) befragten sie dazu im Oktober und November 2007 über 600 der 1'700 Mitglieder dieser Kadervereinigung. Gefragt wurde unter anderem nach den Top Marketing Trends 2008, nach den wichtigsten Märkten und den herausragendsten Köpfen der Branche. Die Befragung förderte interessante aber dennoch vorhersehbare Resultate zu Tage.
Die Welt wird immer komplexer und unüberschaubarer. Neue Technologien und eine immer stärker fortschreitende Segmentierung der Märkte stellen das Marketing beinahe täglich vor neue Herausforderungen. Diesen begegnen Marketingverantwortliche offenbar gleich wie die meisten anderen Menschen auch: Sie reduzieren die Komplexität und kehren gewissermassen zu den Basics zurück. Diesen Eindruck jedenfalls gewinnt man, wenn man die Liste der wichtigsten Marketing-Trends betrachtet, die von den Befragten genannt wurden:

Zuoberst auf der Liste stehen «Marketing Basics», gefolgt von Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Personalisierung. Virales Marketing, Outsourcing oder Neue Medien dagegen finden sich auf den hinteren Rängen.
China und Indien an der Spitze
Einsam an der Spitze der Märkte mit dem grössten Potenzial steht - wie zu erwarten war - China, gefolgt vom bereits deutlich abgeschlagenen Indien. Brasilien und Russland, die beiden weiteren Länder der so genannten BRIC-Staaten belegen noch nach Ost- beziehungsweise Westeuropa die hinteren Plätze. Obwohl die Befragung die amerikanische Sicht der Dinge beschreibt, denke ich nicht, dass sich diese Liste bei einer Grundgesamtheit aus europäischen Marketing-Führungskräften gross verändern würde. Einzig Russland könnte etwas nach oben rutschen, während Westeuropa verlieren würde. China und - etwas weniger - Indien sind derzeit eben en vogue.

Wer sind die Top Shots der Branche?
Die Antworten auf die Frage nach den einflussreichsten Marketers birgt für alle Kenner der amerikanischen «Szene» kaum Überraschungen. An erster Stelle steht Seth Godin, gefolgt von Apples Steve Jobs und dem bereits 2005 verstorbenen Ökonomen mit österreichischen Wurzeln Peter Drucker (Six Sigma, Wertstromanalyse). Viele weitere klingende Namen finden sich auf dem Ranking (Warren Buffet, Jack Welch oder Al Gore zum Beispiel). Manche davon sind meiner Meinung nach keine «Marketing Gurus» im eigentlichen Sinn und gehören daher nicht unbedingt auf so eine Liste. Und nein, ich verkneife mir (einmal mehr) jeden Kommentar zu Apple! Andere, wie zum Beispiel Don Peppers und Martha Rogers, werden vielleicht etwas unterschätzt.

Sag mir, was Du liest...
...und ich sage Dir, wie Du denkst! Die aufschlussreichste Liste der Befragung ist für mich die Liste mit den 15 meistgelesenen Bücher. Die Zusammenstellung ist mehr als eine nur eine Momentaufnahme. Sie ist ein Indikator dafür, wovon die Branche beeinflusst ist - kein Wunder reden alle denselben Bullshit. Interessant ist aber, dass keines von Godins Bücher auf der Liste erscheint:
| Autor | Titel | englisch | deutsch |
|---|---|---|---|
| Jim Collins | Good to Great | Link | Link |
| Thomas L. Friedman | The World is Flat | Link | Link |
| Malcolm Gladwell | Blink | Link | Link |
| Chan Kim/Mauborgne | Blue Ocean Strategy | Link | Link |
| Chris Anderson | The Long Tail | Link | Link |
| Heath/Heath | Made to Stick | Link | Link |
| Levitt/Dubner | Freakonomics | Link | Link |
| Bossidy/Charan/Burck | Execution | Link | n/a |
| Feriss/Porter | The 4-Hour Work Week | Link | n/a |
| Alan Greenspan | The Age of Turbulence | Link | Link |
| Spencer Johnson | Who Moved My Cheese | Link | Link |
| Tapscott/Williams | Wikinomics | Link | Link |
| Andy Sernovitz | Word of Mouth Marketing | Link | n/a |
| Goldratt/Cox | The Goal | Link | Link |
| Bradt/Check/Pedraza | New Leaders 100 Day Action Plan | Link | n/a |
Quelle: eMarketer
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Drucken | 11.01.2008 15:25
John on 11.01.2008 15:59
The 4 Hour Work Week is a great book. John
Michel on 07.01.2009 18:45
Die Komplexität im Marketing nimmt enorm zu, und zwar wie beschrieben fast täglich. Ohne Belege dafür zu haben, glaube ich, dass in der Schweiz die Uhren anders ticken. Die Schweizer Marketer befreien sich nicht von der Komplexität, sondern - etwas zynisch formuliert - haben oft noch gar nicht verstanden, dass die Komplexität allgegenwärtig ist. Schade. Nicht jeder Trend ist nachhaltig (das liegt in der Natur der Sache). Trotzdem gibt es einige bemerkenswerte Veränderungen, mit denen man sich auch in der CH-Szene befassen sollte. Damit spreche ich nicht die Internetszene, sondern einfach den 0815-Marketingverantwortlichen an.
gis on 07.01.2009 23:02
@Michel:
In der Tat, im Schweizer "Mainstream" scheint sich wenig zu bewegen. Ich kenne das aus meiner ehemaligen Tätigkeit in der Assekuranz. Bei kleinen Playern oder bei NPO ist man da zuweilen um einiges weiter.






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