
Die Bedienerfreundlichkeit ist wichtig für das Markenimage. (stock.xchng)
Wer kennt sie nicht, Geräte und Software, die einem zu Schreikrämpfen, Verzweiflungsanfällen und ohnmächtiger Ergebenheit treiben? Gewisse Handys zum Beispiel. Oder weltbekannte Betriebssysteme. Massgeblich am Erfolg eines Geräts beteiligt ist eben die Benutzerschnittstelle, das User-Interface. Dort, wo der Anwender das Gerät berührt, wo er Informationen abliest und eingibt, entscheidet sich, ob die Maschine das tut, was sie soll. Nicht, ob die Technik es kann, ist die Frage - sondern ob der Benutzer herausfindet, wie es geht. Viele Benutzer reagieren genervt, weil sie ein Gerät nicht intuitiv bedienen können. Dies suggeriert ihnen, sie seien zu dumm, es anzuwenden. Auf der anderen Seite gibt es Produkte, die mit vorbildlicher Einfachheit zu überzeugen wissen: Bügeleisen, Kaffeemaschinen oder Haartrockner.
Viele Hersteller haben bis heute nicht begriffen, wie wichtig die Bedienerfreundlichkeit ihrer Produkte für das Markenimage und die Kundenzufriedenheit ist. Andererseits ist das Einfache inzwischen so schwer geworden. Es ist nicht einfach, als Benutzer auf Features zu verzichten, die zwar technisch möglich, aber nicht beherrschbar sind. Den Entwicklern fällt dieser Verzicht auch nicht eben leichter.
Hier beginnt das Dilemma: Apparate, die weniger könnten als Konkurrenzprodukte, gelten bisweilen als technisch rückständig. Geräte, die zu viel können, sind im schlimmsten Fall unbrauchbar. Hinzu komme, dass es zwar ein User-Interface gibt - aber eine unüberschaubare Bandbreite an Kunden. Was dem einen gefällt, verstört die andere. Der bekannte Medienwissenschaftler Norbert Bolz, Professor an der Technischen Universität Berlin, nennt als mögliche Lösung Menüs, die eine normale und eine Expertenansicht haben, auf die man bei Bedarf umschalten kann:
«So sind nur die Funktionen aufgelistet, die man auch wirklich sehen will. Generell gilt: Die Benutzeroberfläche muss klar gestaltet sein - und sie soll schön sein, damit sie Appetit auf die Anwendung macht. Ein intelligentes Nutzer-Interface gibt auf jeden Fall das Gefühl, man sei Herr der Technik, auch wenn man vielleicht in Wahrheit letztlich doch der Sklave der Maschine bleibt. Aber dieses Gefühl, man sei ein Souverän im Umgang mit den Technologien, ist unverzichtbar dafür, dass man Lust bekommt, sich auf die Möglichkeiten der Technik überhaupt einzulassen. Und meines Erachtens ist Lust der Königsweg zur Nutzung der modernen Technologien, was man übrigens an unseren eigenen Kindern am besten studieren kann.»
Eine gangbarer Ausweg aus dem Dilemma könnte das so genannte Emotional Design sein. Ein Schnittstellendesign, das nicht allein ordentlich und übersichtlich ist, sondern beim Benutzer obendrein positive Gefühle weckt. Lange Zeit war dieser Trend auf die Konsumgüterindustrie beschränkt. Doch inzwischen habe die Entwicklung auch Investitionsgüter erfasst. Gadgets für Endnutzer wie beispielsweise das iPhone oder der iPod von Apple haben Auswirkungen auf die Investitionsgüterindustrie.
Der Begriff geht übrigens auf das gleichnamige Buch des emeritierten Kognitionswissenschafters Donald A. Norman zurück. Norman beschäftigte sich viel mit Fragen der Usability von Geräten
- aber auch bei schlechten Museen und dem Fernsehen sieht er Handlungsbedarf. Normans Homepage findet sich hier.
Quellen: wikipedia, pte
» Drucken 14.08.2008. 09:35
Philippe on 14.08.2008. 10:41
Redcue to the max heisst die Lösung.
Josh van Lensing on 14.08.2008. 16:12
Interessantes Thema !
Vielleicht hält ja der "mass customization"-Trend demnächst Einzug
ins Handy - oder Betriebssystem-Geschäft.
Stell ich mit als ideale Lösung vor: Vista aufs Wesentliche konzentriert,
alles Überflüssige gnadenlos abwählen => Optimiert zudem noch Rechnerkapazität !
Gruß
J. v. Lensing
LD on 14.08.2008. 18:31
Das hast Du schön auf den Punkt gebracht und sprichst mir aus der Seele! Gestern habe ich mich zum Beispiel über das GUI von Skype geärgert und könnte gleich aus dem Stehgreif eine ganze Liste von Produkten nennen, deren UI die reinste Katastrophe ist.
Ein Brand soll schliesslich positive Emotionen und Werte kommunizieren. Wenn da bereits die funktionale Wahrnehmung eines Produktes gravierende Mängel aufweist, kann das auch die beste Banding Kampagne nicht ausbügeln.
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