Kommerzielle Hausbesetzer im Netz

Hausbesetzungen auch im Internet
Cybersquatting hat in den letzten Jahren stark zugenommen. (modkraft.dk)

Cybersquatting, also die unrechtmässige Registrierung von Domains zu Markennamen, hat noch nie dagewesene Ausmasse angenommen. Dies verlautete die in Genf ansässige «World Intellectual Property Organization» (WIPO) am vergangenen Wochenende. Das Arbitration and Mediation Center der WIPO musste wegen Cybersquatting im Jahr 2007 insgesamt 2'156 Schiedsgerichtsverfahren führen. Das waren fast 18 Prozent mehr als noch 2006 und die höchste Zahl seit Einführung der so gennanten Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy (UDRP) im Jahr 1999.

Fast die Hälfte der Domain-Beschwerden kamen 2007 aus den USA, die mit über 40 Prozent auch die meisten Beschwerdegegner stellen. Die Gesamtzahl der Verfahren hat 2007 ihren bislang höchsten Stand überhaupt erreicht. Gegenüber 2005 bedeutet sie sogar eine Steigerung von fast 50 Prozent. Cybersquatting bleibt damit ein wichtiges Thema für alle Rechteinhaber. Mit der geplanten Einführung neuer generischer Top-Level-Domains (gTLDs) könnte das Problem des Cybersquattings noch verschärft werden.

Die UDRP ist insbesondere für generische TLDs wie .com, .org oder .mobi anwendbar und aus diesem Bereich kamen 2007 auch die meisten Fälle. Von insgesamt 3'549 umstrittenen Domain-Namen fielen 93 Prozent unter gTLDs, davon wiederum betrafen fast drei Viertel .com-Domains. Von den über 200 Länderzonen (ccTLDs) im Internet fallen dagegen nur 51 in die Zuständigkeit des WIPO-Centers, darunter allerdings einige große europäische ccTLDs wie .fr, .es und .pl sowie die Schweizer Domain .ch. Der Anteil dieser ccTLDs an den Beschwerden ist zwar mit insgesamt sieben Prozent noch gering, im Laufe der Jahre aber gestiegen.

Problem «Domain Tasting»

Ein grosses Problem stellt hier das Domain Tasting dar. Dabei wird eine fünftägige Frist genutzt, innerhalb der Domain-Registrierungen etwa in den USA kostenfrei storniert werden können. Betrüger nutzen diese Zeitspanne, um auf Domains mit eigentlich geschützten Namen mit automatisiertem Pay-per-Click-Content Geld zu machen. Das WIPO-Center kann in solchen Fällen aus Zeitgründen in der Regel gar nicht auf Basis der UDRP eingeschaltet werden. Die ICANN ihrerseits hat inzwischen angekündigt, dem Domain Tasting zumindest durch finanzielle Ansätze beikommen zu wollen.

Der Schutz kostet Geld

Zum Schutz vor Cybersquatting wird Markenrechteinhabern häufig dazu geraten, entsprechende Domains unter diversen Top-Level-Domains zu registrieren. Bei einem deutlichen Anstieg der Zahl an TLDs würde dieser Zugang aufgrund der jährlichen Kosten einer Domain-Registrierung allerdings einen hohen Kostenfaktor bedeuten: Bei 500 TLDs mit im Schnitt 20 Euro pro Jahr ergibt sich eine nennenswerte Summe, die mit der Einführung neuer TLDs noch höher werden wird. Ausserdem müssen viele Unternehmen mehrere Markennamen gleichzeitig registrieren. Manche Firmen jedoch nehmen diesen finanziellen Mehraufwand auf sich, wie das Beispiel Johnson & Johnson und Tate & Lyle im letzten Jahr zeigte.

Quelle: pte u.a.

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| Artikel drucken Drucken | 31.03.2008 14:10

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