Das Ende der «Zuvielisation»

Bringt das «Age of Less» ein Paradigmenwechsel? (stock.xchng)
Als das GDI anlässlich der 58. Handelstagung im letzten September das so genannte Age of Less ausrief, war ich von diesem Konstrukt nicht so ganz überzeugt. Konkret postuliert dieses «Age of Less», dass nach Jahren des stetigen Überflusses die Konsumenten nun eine Kehrtwende vollziehen würden. Kurz: Weniger ist mehr. Auf den ersten Blick erschien es mir, als sei nun auch das GDI auf den LOHAS-/LOVOS-Zug aufgesprungen. Ich äusserte meine Bedenken damals auch gegenüber einer Journalistin des Schweizer Fernsehens, die mich zu dem Thema kontaktiert hatte. Aber vielleicht war ich doch etwas zu vorschnell. Kürzlich nämlich legte Nielsen aktuelle Zahlen zum Markt für Bio-Produkte vor.
Mit dem «Age of Less» postulierte das GDI (Konferenzbericht als PDF, 96 KB) ein Zeitalter, in dem sich Hersteller und Handel auf einen radikalen Paradigmenwechsel einstellen müssen, in dem weniger und einfacher in Zukunft besser bedeutet. Die Rohstoffpreise steigen, Konsumenten kaufen zögerlicher, und der Konsolidierungsdruck nimmt zu: Der Einzelhandel hat es immer schwerer. Das fortschreitende Bevölkerungswachstum um weitere fünfzig Prozent auf neun Milliarden Menschen bis ins Jahr 2050 wird Knappheiten zusätzlich verschärfen. Bereits seit der Jahrtausendwende geht der Anteil der Landwirtschaftsfläche zurück und der vielzitierte Klimawandel tut sein Übriges.
Das «Age of Less» hat bereits begonnen
An der oben erwähnten Tagung waren sie die Referenten einig, das «Zeitalter des Weniger» habe bereits begonnen. Ungeachtet vom Wandel im Handel üben immer mehr Kunden Konsumverzicht. Die vielen Umwälzungen verunsichern sie. Nach Jahrzehnten der Masslosigkeit greife eine neue Bescheidenheit um sich, eine freiwillige Einfachheit. Die Konsumenten verlangten nach einer Denkpause: Auf die «Zuvielisation» folge ein neuer Lebensstil. Massvolle und authentische Produkte mit überzeugenden Werten stünden nun im Vordergrund. Grün ist also gewissermassen «the new green», was auch dieses eindrückliche Umsatzwachstum für Bioprodukte in Deutschland belegt (Quelle: «Nielsen Bio Trends Deutschland 2009»):

Der Prosumer versorgt sich selbst
Fair Trade und Bio waren wohl nur der Anfang. Vor allem aus den USA rollen demnächst sicherlich einige Trends und neue Lebensentwürfe auf uns zu, die unter anderem den aus dem Web 2.0 bekannten Trend weg vom reinen Konsumenten hin zum Prosumer in den Alltag tragen. Als Beispiel möchte ich hier den Trend der «Urban Gardens» anführen. Hier geht es darum, brach liegende Flächen in urbanen Gebieten oder den eigenen Garten dazu zu nutzen, Gemüse für den Eigenverbrauch zu ziehen. Mittlerweile gibt es vielerorts Gruppen und Organisationen, die den potenziellen Selbstversorgern zur hand gehen wollen. Beispiele dafür sind MyFarmSF, landshare.net oder yourbackyardfarmer.com. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch dieses Dokumentarfilmprojekt in den USA, welches eine neue Generation von Bauern portraitiert. Der Film ist zwar noch im Entstehen, aber es existiert bereits ein erster, aufschlussreicher Trailer:
Strategien sind gefragt
Wenn also die Einfachheit zentral wird, sind klare Strategien unverzichtbarer denn je. Ein mögliche Strategie wäre zum Beispiel die Rückbesinnung auf alte Werte und/oder ein Berufen auf die Tradition und Geschichte einer Unternehmens oder einer Marke. Auch das Herausstreichen der lokalen Verbundenheit oder eine in der Entwicklungshilfe oft postulierte «Hilfe zur Selbsthilfe» wären mögliche Ansätze.
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Drucken | 26.02.2009 11:56
sc on 14.08.2010 13:43
danke für den bericht über diesen sehr erfreulichen trend.
unter dem begriff "age of less" war mir der trend zum "weniger ist mehr" noch gar nicht bekannt.
denkansätze für eine strategie:
ich habe in der zeit von 1994 bis ca. 1997 mehrseitige und ständig aktualisierte pamphlete mit titeln wie "beendet unnötige arbeit" und dergleichen, mit angehängten listen von produkten und arbeit, die wir nicht brauchen,ausgedruckt, kopiert, verschickt und verteilt.
das problem war damals, daß jedesmal, nachdem ich die neuste version des pamphletes verteilt hatte, mir dringende änderungen einfielen, da ich einen anspruch auf vollständige auflistungen sämtlicher arbeit, dienstleistungen, produkte, die nicht wirklich gebraucht werden, werbemittel (wie z.B. an haushalte verteilte kataloge und prospekte) und zu umständlicher und aufwändiger produktionswege wie z.B. in LKWs rollende on demand-lager oder aber mir damals nicht verständlicher, also "zu abstrakter" tätigkeiten in handel, zwischenhandel, (??) , hatte.
auch jetzt während dem schreiben dieses kommentars erinnere ich mich wieder an dieses leicht aotistisch-neurotische gefühl mit dieser fast schon fixen idee, mit dem simplen satz "beendet unnötige arbeit" den schlüssel für die lösung sämtlicher politischen probleme an der hand zu haben.
vor ungefähr 3 jahren habe ich den blogartikel "beendet sinnlose produktion" (siehe http://sensiblochamaeleon.wordpress.com/) geschrieben, der nur eine stark reduzierte version der ursprünglichen pamphlete darstellt, jedoch mit hyperlinks und einer darstellung der rohstoffquellen vieler produkte um an die geschichte des kolonialismus anzuknüpfen, in tradition des referats damals im geschichte grundkurs, wo ich ein motorrad an die tafel malte, mit linien zu einzelnen bauteilen und dem jeweiligen ursprungsland der rohstoffe des jeweiligen bauteils (z.B. kautschuk).
diese skizze wiederum hatte ich aus einem buch dessen titel ich vergessen habe.
ein problem besteht leider immer noch in der logistik, obwohl schon seit vielen jahrzehnten bekannt: am beispiel nahrung: tristram stuart beschreibt in seinem buch "waste" http://www.tristramstuart.co.uk/FoodWasteFacts.html , daß alle hungernden dieses planeten locker allein mengenmäßig von dem ernährt werden könnten, was die zuvielisierten an lebensmitteln wegwerfen.
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anmerkung zum http://de.wikipedia.org/wiki/Weniger_ist_mehr
im webdesign:
ich hatte es in den vergangenen jahren ab und zu mit dem dilemma zwischen einem auf das wesentliche reduzierten webdesign und dem wunsch, dennoch alles wichtige auf einen blick auf dem schirm zu haben, zu tun....http://sensiblochamaeleon.wordpress.com/2008/12/19/uberlegungen-und-ideen/...ähnliche erfahrungen machte ich auch mit dem sortieren von daten und der inneneinrichtung http://sensiblochamaeleon.blogspot.com/2010/03/strukturprobleme.html
und:
wenn dieser merkwürdige php-fehler (oder iceweasel-fehler?), der mir aus welchen gründen auch immer (??seo??) bereits das kommentieren in ca 20 blogs versagte, diesmal entscheidet, daß dieser kommentar hier nicht ZUVIEL des guten ist, erscheint er sogar auf Ihrem blog :)


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