Butter vom Brot stehlen

MSM

Der grösste Gewinn, den wir alle aus den neuen Medien ziehen, ist meiner Meinung nach der Bedeutungsverlust der traditionellen Medien bei einem gleichzeitig viel breiter werdenden Angebot an alternativen Quellen. Der Bedeutungsverlust manifestiert sich vor allem darin, dass die etablierten Medien - ich nenne sie gerne Mainstream-Media (MSM) - mehr und mehr ihre Lufthoheit über die Realitätskonstruktion der Leser/User verlieren. Natürlich beklagen die MSM diesen Umstand lautstark, wobei ihnen zuweilen auch die politisch bezahlte Forschung in die Hand spielt. Institutionen wie die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung zum Beispiel haben ähnlich viel zu verlieren wie die Medien. Just diese Stiftung hat sich nun in einer Studie (PDF) damit befasst, wie das Web den Journalismus verändert.

Wolfgang Sommergut geht in einem Blogpost bereits ausführlich auf die Studie ein. Ich erlaube mir daher, hier einige Kommentare anzubringen:

«Journalismus kommt der Studie zufolge beim Ringen um die Quote nicht nur quantitativ , sondern auch qualitativ zu kurz. Wie beim Privatfernsehen führe die Orientierung an den Einschaltziffern zu einer Ausrichtung auf den Massengeschmack. Die Macht der Suchmaschinen bewirke zudem eine standardisierte und mechanistische Berichterstattung. Die Hauptbeschäftigung des Online-Redakteurs bestehe immer weniger im Recherchieren und Schreiben eigener Geschichten, vielmehr mutiere er zu einem Content-Manager.»

Massenmedien bedienen den Massengeschmack. Ausser man geht davon aus, Journalismus sei ein volks- und sozialpädagogisches Instrument zur Erziehung der Massen - und disqualifiziert sich so selber.

«Die uniforme Berichterstattung von Verlagspublikationen, die im Wettbewerb mit journalismusfernen Portalen stehen, bewirke eine Verarmung der Stilformen, es dominieren Meldung und Bericht. Wenn die ökonomischen Zwänge der Verlage für diese Austrocknung journalistischer Darstellungsformen verantwortlich sind, dann liegt es nahe, auf Instanzen zu hoffen, die solchen wirtschaftlichen Imperativen nicht gehorchen müssen.»

Kurz zusammengefasst: Journalismus ist gut, Ökonomie böse. Der deutsche Idealismus lässt grüssen. Zudem: Sich an Stilformen festzuhalten macht noch lange keinen qualitativ besseren Journalisten. Diese Studie kann man wirklich getrost im Rundordner unter «Ihr wollt uns die Butter vom Brot stehlen» ablegen.

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| Artikel drucken Drucken | 13.06.2007 13:06

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