
Selbstständige haben es schwer in Deutschland. Sie gelten geradezu als «Bürger zweiter Klasse», wie es Wolf Lotter in der «brand eins» 1/2007 so treffend dargestellt hat. Aber die Deutschen sind generell pessimistischer, was die Chancen einer Existenzgründung angeht und ängstlicher hinsichtlich der Folgen eines möglichen Scheiterns. Darum machen sie sich auch deutlich seltener selbständig als die Bürger anderer Länder. Zu diesen Ergebnissen kommt der «Global Entrepreneurship Monitor» (GEM) 2007, über den ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe.
Auch der «KfW-Gründungsmonitor» 2007 der KfW-Bankengruppe, der kürzlich vorgestellt wurde, kommt zum selben Ergebnis: 2006 haben sich rund 1.1 Mio. Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren mit einer Neugründung, Unternehmensübernahme oder -beteiligung selbstständig gemacht. 2005 waren es noch 1.3 Mio., 2001 gar 1.55 Mio. Laut der Studie hemmt insbesondere das pessimistische Gründungsklima in Deutschland die Dynamik. Erschwerend kommt hinzu, dass das Gründungsgeschehen in Deutschland von kleinen und kleinsten Gründungen dominiert wird und jeder zehnte Unternehmer für seine Gründungen keine nennenswerten Sach- oder Finanzmittel einbringen will beziehungsweise kann. Diese Resultate decken sich also mit dem GEM 2007.
Negative Einstellung der Menschen
Frauen verfügen der Umfrage zufolge über eine signifikant noch negativere Einstellung zu Unternehmensgründungen als Männer. Nicht zuletzt deswegen gründen Männer (60 Prozent) häufiger als Frauen (40 Prozent). Die Autoren der Studie führen den Rückgang der Gründungen übrigens auf den derzeitigen konjunkturellen Aufschwung zurück: Offenbar ziehen viele Deutsche eine abhängige Beschäftigung der Selbstständigkeit vor. Ganz abgesehen vom niedrigen Ansehen, das Selbstständige im Land geniessen, deckt sich auch diese Erkenntnis mit dem erwähnten GEM 2007.
Wird es wieder besser?
Allerdings könnte der Aufschwung laut der Studie im laufenden Jahr auch dazu führen, dass bedeutend mehr Menschen den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Dabei sind die Aussichten im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht. Im Jahr nach der Gründung noch 86 Prozent aller Gründer aktiv. Nach zwei Jahren sinkt dieser Anteil auf 76 Prozent. Positiv auf den Fortbestand wirken sich laut KfW-Gründungsmonitor das Humankapital des Gründers, die Gründungsmotivation, eine positive Einstellung zur eigenen Selbstständigkeit sowie die Grösse des Gründungsobjekts aus.
Der «Global Entrepreneurship Monitor» (GEM) 2007 steht hier als PDF zum Download bereit. Den «KfW-Gründungsmonitor» 2007 findet man hier ebenfalls im PDF-Format.
Quelle: pte, kfw
» Drucken 28.06.2007. 11:24
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