
Der Zustand und das Befinden der Branche - meinetwegen auch der Szene - rund um das Web 2.0 ist ein in der Blogosphäre gerne diskutiertes Thema. Für einige ist das Web Zwonull nichts als ein Hype (*), viele erinnern sich an die Dot-Com-Ära und sehen schon den nächsten Crash. Letztere verkennen aber meiner Meinung nach die Unterschiede zu damals. Heute ist doch etwas mehr Substanz vorhanden, die Übernahmen werden in der Regel bar bezahlt. Aber darum soll es in diesem Beitrag nicht gehen, denn zwei Dinge sind klar: 1. der nächste Crash kommt bestimmmt und 2. wird er anders aussehen als damals. Aber wie?
Darauf hat der Edelman-Mitarbeiter Steve Rubel in der aktuellen «AdvertisingAge» eine interessante Antwort. Wenn man tiefer gräbt, so Rubel, dann findet man tatsächlich Anzeichen einer aufkommenden Krise. Diese nimmt ihren Anfang aber an einem ganz anderen Ort, als viele sie vermuten: Unsere Postfächer, Smartphones und Instant Messenger-Fenster explodieren fast, so gross ist die neue Informationsflut. Immer und überall sind wir online, die neuen mobilen Endgeräte und Tools zur Veröffentlichung von Inhalten haben Art und Umfang unseres Medienkonsum stark verändert und täglich kommen neue Plattformen und Netzwerke hinzu.
Limitierte Aufmerksamkeit
Anders als die Technologie ist die Aufnahmefähigkeit der Menschen limitiert. Wir können nicht unbegrenzt viele Informationen aufnehmen. Die Nachfrage übersteigt sozusagen bei weitem das Angebot an unserer begrenzten Zeit. «A crash is coming, folks. But this time it's not financial - it's personal», meint Rubel.
Als Beispiel führt er den bekannten Blogger Robert Scoble an. Scoble verbrachte bis vor Kurzem drei Stunden täglich damit, über 1'000 Feeds durchzuarbeiten. Auf Dauer hielt er das nicht durch und reduzierte radikal die Anzahl der Feeds. Andere haben ebenso radikal durchgegriffen und ihre Postfächer komplett gelöscht («E-Mail Bankruptcy»). In den USA kursiert bereits der Begriff der «CrackBerry Crisis»: Die Technologie beherrscht den Menschen, nicht umgekehrt.
Weniger ist mehr: Fokussierung
Wir alle werden früher oder später erkennen, dass wir unseren Medienkonsum nicht beliebig ausdehnen können. Die Frage kann also nur lauten, wo werden wir zurückstecken? Bei den werbefinanzierten, professionellen oder semi-professionellen Angeboten oder dem Content unserer Freunde und Bekannten? Für Rubel ist klar: «Choices will be made. And while there seems to be no end in sight for the growth of social media, if this happens en masse, will ad revenue sag, causing a financial pullback?» Die Zukunft wird es zeigen.
(*) Interessant in dem Zusammenhang ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes «hype»: «Unterwelt-Slang für einen Schwindel durch Wucher oder Mogelei». («NZZ», 19.05.06)
» Drucken 20.06.2007. 09:23
Dannie Jost on 20.06.2007. 12:30
Ach! I do not agree. It is just like new love, or puppy, that's the phenomenon that occurs before reality breaksthrough. Look at the mobile phones ringing... they no longer ring like mad in the middle of every event and meeting. People need time to adapt to the technology and learn to deal with it. Some are slower with that learning curve.
I do not particularly care for Rubel, and Scoble used to be interesting, but he is still a nice guy. I think I am bored with all this hype about hype and technology. Sorry for the rant.
gis on 20.06.2007. 12:43
Sure, people will adapt -- they always do. There is a big shift in media consumption, that's for sure, but time is a limited asset, so some media will lose audience. The question is simply which ones. And here I agree with Rubel.
Markus on 20.06.2007. 16:20
Das Problem, das auf zu viele Informationen aufgeteilte Aufmerksamkeit zu einer gewissen Oberflächlichkeit führt - und das ist unvermeidlich die Alternative für all jene, die bei einzelnen Medien eben nicht zurückstecken wollen - behandelt ganz gut der Artikel «Zu viel anzuschauen in zu wenig Zeit» von Enrique Dans, den ich heute aus dem Spanischen übersetzt und bei mir im Blog veröffentlicht habe:
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