
Der unaufhaltsame Aufstieg der Neuen Medien fordert uns alle. Um in dieser mediendurchfluteten Zeit, in der wir alle nicht mehr nur Rezipienten und Konsumenten, sondern auch Produzenten sind, bestehen zu können, müssen wir uns eine neue Medienkompetenz erarbeiten - eine Neue Medien-Kompetenz eben.
Diese Medienkompetenz kann nicht mehr auf spezifischen top-down Regeln beruhen. Vielmehr sollten wir uns vier einfache Prinzipien aneignen, die es ermöglichen, die zunehmend komplexe Aufgabe der Medienrezeption zu meistern. Schliesslich befinden sich auch jene, die Inhalte produzieren, mehrheitlich in der Situation eines Konsumenten.
1. Skepsis
Zuallererst müssen wir skeptisch sein. Wir dürfen nie einfach so alles für bare Münze nehmen, was wir sehen, hören oder lesen - egal ob es uns über traditionelle oder neue Kanäle erreicht.
2. Vertrauen
Alle Medieninhalte kritisch zu hinterfragen heisst jedoch nicht, dass wie alle Quellen gleich skeptisch behandeln müssen. Darum müssen wir die Neuen Medien gleich einordnen wie die alten aus der Zeit, als nur durch Gatekeeper gefilterte Informationen verbreitet wurden. Als Medienkonsumenten sollten wir uns eine persönliche Skala des Vertrauens schaffen, auf der wir alle Kanäle einordnen - nach unseren Massstäben. Mit Zeitungen, TV oder Radio tun wir das doch bereits. Wieso also nicht auch mit den Neuen Medien?
3. Vertrautheit
Machen wir uns vertraut mit den Techniken der Informationsbeschaffung, -aufbereitung und -verbreitung. Die digital natives - also jene Generation, die bereits mit dem Internet aufgewachsen ist - meistern dies bereits recht gut. Sehr vielen Menschen, uns eingeschlossen, mangelt es jedoch am Verständnis dafür, wie Informationen gezielt aufbereitet werden können, um uns zu überzeugen, uns zu manipulieren. Machen wir uns auf eine Weise vertraut mit der Technik der Neuen Medien, die weit über das Knipsen eines Handy-Bildes oder das Verfassen eines Blogkommentars hinausgeht, dann eignen wir uns einen grossen Teil dieses Wissens an.
4. Recherche
Niemand kauft ernsthaft ein neues Auto nur wegen der Werbung. Vor einer grossen Anschaffung recherchieren wir, sammeln Informationen, um eine Grundlage zu schaffen, anhand der wir uns dann entscheiden. Wir müssen erkennen, wie unsinnig es ist, einzig darum etwas zu tun, weil wir es sehen, hören oder lesen. Vor einer Entscheidung sollten wir recherchieren - so wie es jeder Journalist auch tun sollte für seine Story.
Die oben genannten vier Prinzipien stützen sich auf die Ausführungen von Dan Gillmor im Blog des «Center for Citizen Media». Dort hat er kürzlich eine interessante Tour de Force zum Bürgerjournalismus geliefert, der diese Gedanken sehr frei entnommen sind: «Citizen Media: A Progress Report».
+++ NACHTRAG vom 20.07.07
Der Beitrag von Gillmor erschien auch auf Deutsch in der «Readers Edition».
» Drucken 18.07.2007. 12:06
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