Die «Generation Ppt»

Kennen Sie das: Sie kommen aus einer Sitzung, einer Präsentation oder Sie haben einfach gerade das letzte Reporting gelesen und es beschleicht Sie so ein Gefühl der Verwunderung, ja des Zweifels? War das Gehörte, das Gelesene wirklich essentiell, hatte es Hand und Fuss? Falls ja, dann haben Sie sicherlich gerade eine Folienschlacht hinter sich. Wohl kaum ein Produkt aus Redmond hat die Geschäftskultur, ja den Alltag derart geprägt wie PowerPoint. In unserer Zeit, in der kaum mehr jemand Verantwortung zu übernehmen gewillt ist - Manager schon gar nicht; wozu sind denn sonst die Berater da? -, glänzen alle mit Unverbindlichem, mit Allgemeinplätzen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, PowerPoint ist eine herrliche Erfindung. Man muss sie nur richtig einsetzen. Präsentationen können heute, dem Beamer sei dank, sogar vor Ort, in der Interaktion mit dem Publikum geändert werden. Aber gerade auch darin liegt die Krux: Dies alles fördert die Unverbindlichkeit, die Beliebigkeit. Ausgestattet mit dem neusten Neusprech aus den Universitäten werden heute ganze Heerscharen von Folienkriegern auf die Schlachtfelder der Wirtschaft geschickt. Wie die Reiterscharen aus den Weiten der Steppe tauchen sie am Horizont auf und schlagen zu - ohne Gnade.

Durchdachte (will heissen: ausformulierte) Konzepte schreibt heute niemand mehr. Die Aufmerksamkeitsspanne der «Generation Ppt» reicht dazu nicht mehr aus. Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein. Im Gegenteil, es fördert bis zu einem gewissen Grad sogar die Kreativität. Aber im Format A4 quer geht vielfach die Verbindlichkeit unter im Meer der Bullets und Charts. Vor lauter Buzzwords und Balkendiagrammen sieht man die Inhalte nicht mehr. Ein Insider berichtete mir neulich, bei den Mackies würden die Neuen erst einmal für längere Zeit im Folienkrieg unterrichtet. Ich weiss nicht, ob das so stimmt - aber vorstellbar ist es.

Mein Tipp: Seien Sie ab und an mutig und nehmen sie Word hervor (oder noch besser: den OpenOffice Writer) und legen Sie im Format A4 hoch los. Mehr als eine Bleiwüste kann dabei nicht herauskommen. Bleiben Sie verbindlich: «Haben Sie etwas zu sagen - oder Folien dabei?»

Diese «Glosse» erschien am 27. November 2007 auf liberty.li - Wege zur Freiheit.

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Von Michael Gisiger

 

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