Copyright, Copywrong
Die Diskussion über Urheberrechte und deren Durchsetzung hat nicht erst mit dem Aufkommen von Open Source, des Internets oder der Musiktauschbörsen eingesetzt. Schon lange bevor zum Beipiel Lawrence Lessig 2001 seinen Creative Commons-Ansatz begründete, befassten sich Menschen mit dem Sinn oder Unsinn des Urheberrechts. Seitdem im 18. Jahrhundert erstmals in England im «Statute of Anne» der Schutz immaterieller Güter rechtlich garantiert wurde, stand dieser im intellektuellen Kreuzfeuer. Während die einen Urheberrechte als solche ablehnten, machten andere Vorschläge zur alternativen Ausgestaltung derselben.
Besonders Denker, die im Allgemeinen als Anarchisten verstanden werden, standen und stehen in dieser radikalen Tradition. Allen voran in den USA. Christian Imhorst schreibt dazu in «Anarchie und Quellcode»:
«Die Freie-Software-Bewegung in Form von GNU, BSD oder Open-Source-Initiative ist die radikale, anarchistische Kritik an der heutigen Ordnung des geistigen Eigentums nicht nur in der liberalen Gesellschaft der Vereinigten Staaten, sondern an dessen Ordnung in der ganzen globalisierten Welt. Im Gegensatz zu den BSD-Vertretern oder dem marktwirtschaftlichen Anarchismus Eric Raymonds von der Open-Source-Initiative plädiert [Richard] Stallman für einen genossenschaftlichen Anarchismus, der zumindest in Bezug auf das geistige Eigentum frei nach dem französischen Anarchisten Jean-Pierre Proudhon sagt, dass Eigentum Diebstahl sei.»
Vertreter des BSD- oder des Open Source-Ansatzes stehen so in der Nachfolge eines Lysander Spooners, einem amerikanischen Anarchisten des 19. Jahrhunderts, der sich in seinem Essay «The Law of Intellectual Property» zwar klar für ein Urheberrecht aussprach, dieses aber alternativ ausgestalten wollte. Stallman, Gründer des GNU-Projekts, hingegen entwickelt die Ideen Benjamin Tuckers weiter. Auch Tucker war ein amerikanischer Anarchist und Zeitgenosse Spooners, der sich jedoch anders als dieser gegen Urheberrechte stellte. Für ihn waren diese nur ein weiteres Monopol, welches es abzuschaffen galt.
Eine Session am «BlogCamp Switzerland 2.0»?
Da ich mich seit einiger Zeit intensiver mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, hatte ich die Idee, zu dieser Thematik am kommenden «BlogCamp Switzerland 2.0» vom 20. Oktober in Zürich eine Session durchzuführen. Unter dem Arbeitstitel «Copyright, Copywrong - Radikale Stimmen zum Urheberrecht» könnte ich mir vorstellen, anhand der zwei oben genannten Beispiele (Spooner und Tucker; ergänzt durch ein, zwei Personen des 20. Jahrhunderts, die sich auf diese beziehen) eine kurze Tour d'Horizont zu geben. Dabei konzentriere ich mich bewusst auf Personen, die vor der Entstehung des Internets gewirkt haben.
Ich weiss, dass ich mich mit einem solchen Vorschlag etwas ausserhalb des erwarteten Themenkreises («You can talk about anything you like around blogging and blogs.») bewege. Aber ich bin der Meinung, dass das Wissen um die Traditionslinien, in denen Creative Commons oder auch die Free Software-Bewegung stehen, hilfreich ist.
Darum habe ich mich auf der unAgenda des BlogCamps eingetragen, mit dem Hinweis auf den Off Topic-Charakter des Themas und einem Link auf diesen Beitrag. Jetzt ist nämlich Eure Meinung gefragt: Egal, ob Ihr das BlogCamp besuchen wollt oder nicht - seid Ihr der Meinung, dieses Thema könnte den Durchschnittsbürger von Klein-Blogistan interessieren? Je nach Feedback entscheide ich, ob ich etwas vorbereiten will oder nicht. Schlussendlich werde ich jedoch am 20. Oktober vor Ort entscheiden.
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