Web 2.0 fördert Alphabetisierung

"Immer am PC und dann dieses ewige Daddeln mit dem Handy. Da können unsere Kinder doch nur verblöden!" Solche und ähnliche Äusserungen hört und liest man überall. Aber ist dem wirklich so? Eine Untersuchung der unabhängigen britischen NGO National Literacy Trust, die das Online-Nutzungsverhalten von insgesamt 3'001 Kindern im Alter zwischen neun und 16 Jahren genauer unter die Lupe genommen hat, kommt zu einem gegenteiligen Befund: Kinder und Jugendliche, die ausgiebig moderne Kommunikationstechnologien im Internet nutzen, weisen bessere Schreibfertigkeiten auf als Web-Verweigerer.
Die Forschungsergebnisse (Studie PDF | Summary PDF) legen ein starkes Korrelationsverhältnis zwischen Kindern, die moderne Kommunikationstechnologien nutzen und einem weiter gefassten Verhaltensmuster in Bezug auf Schreib- und Lesefertigkeiten nahe. Die diesem Zusammenhang zu Grunde liegende Formel ist dabei recht einfach. Je mehr verschiedene Kommunikationsformen genutzt werden, desto besser sind die entsprechenden Fähigkeiten der Kinder.
Fördern statt verdammen
Hier einige der Erkenntnisse der Studie:
- 56 Prozent der Befragten gaben an, ein aktives Profil in einem Social Network wie Facebook oder Bebo zu unterhalten. Hingegen bloggen nur 24 Prozent. 13 Prozent verfügen über eine eigene Webseite.
- Zwar gaben 49 Prozent an, Schreiben sei langweilig ("boring"), aber immerhin 57 Prozent von allen, die Text-basierte Anwendungen wie zum Beispiel ein eigener Blog verwenden, schreiben auch gerne.
- 56 Prozent aller, die entweder bloggen oder in Social Networks aktiv sind, sind sich ihrer Schreibfertigkeit sicher: 61 Prozent der Blogger und 56 Prozent der Netzwerker gaben an, sehr gut oder gut ("very good", "good") schreiben zu können. Von jenen, die online nicht aktiv sind, waren nur 47 Prozent davon überzeugt, gute Schreiber zu sein.
- Jene Kinder, die online aktiv sind, schreiben auch signifikant häufiger ("significantly more likely") traditionelle Texte wie Kurzgeschichten, Briefe, Liedtexte oder Tagebücher als die anderen.
Die Studienautoren und der National Literacy Trust empfehlen ausdrücklich, Kinde rund Jugendliche dazu zu motivieren, zu bloggen und sich online mit Facebook und anderen Seiten zu vernetzen. Damit würden nicht nur die Schreibfertigkeiten gefördert, sondern auch das traditionelle Schreiben an sich (vgl. dazu diesen Beitrag hier). Forderungen, die an unseren ewiggestrigen Kulturpessimisten und Internetausdruckern leider ungehört abperlen werden. Schade! Aber da muss man sich nicht wundern, wenn wir immer weiter ins Hintertreffen geraten.
Quellen: literacytrust.org, pte
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Drucken | 08.12.2009 17:54
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