Rückblick 2009: Medien & Internet

Twitter

Für mich ist der ganz klare Gewinner und Aufsteiger des vergangenen Jahres Twitter: Weder die alten noch die neuen Medien kamen 2009 um den Mikroblogging-Dienst herum. Es fand sich kaum mehr ein Medium, welches nicht in irgendeiner Weise Bezug nahm auf Twitter. Ein eigener Account wurde zudem zu einem must have für (fast) alle. Gleichzeitig beschleunigte sich die Flurbereinigung bei den traditionellen Medien.

Twitter, Echtzeitsuche und die Opposition im Iran

Die Verbreitung von Information hat durch den Mikroblogging-Trend extrem an Geschwindigkeit zugelegt. Kein journalistischer Artikel kann so schnell geschrieben und publiziert werden, wie eine 140-Zeichen-Botschaft ihren Weg ins Netz findet und sich dort ausbreitet. Twitter hat vieles auf den Kopf gestellt. Dass es an Twitter derzeit kein Vorbeikommen gibt, zeigt unter anderem auch das gewachsene Interesse seitens grosser Internetkonzerne an dem Service. Der Begriff "Echtzeitsuche" entwickelte sich in Windeseile zum viel strapazierten buzzword, nachdem sowohl Google als auch Microsofts Bing bekannt gegeben hatten, künftig Informationen von Twitter zu indizieren.

Ein bemerkenswertes Beispiel für den Nutzen von Twitter und Social Media lieferten in diesem Jahr die Proteste im Nachgang zu den Präsidentschaftswahlen im Iran. Bilder und Nachrichten über den Verlauf der Proteste und die Übergriffe durch den staatlichen Unterdrückungsapparat des Regimes verbreiteten sich in Windeseile um den Globus. Die Rolle, die einst von Agitatoren im Zuge von Revolutionen und Demonstrationen eingenommen wurde, wird zunehmend durch eine "basisdemokratische" Vernetzung über Social Media ersetzt.

Der langsame Tod von Print

Die rasanten Entwicklungen im Web, das neben der Dominanz von grossen Playern wie Google, Microsoft und Co. auch zunehmend von nutzergenerierten Inhalten beherrscht wird, lässt auch die Zeitungsverlage weiterhin recht ratlos zurück. Während Printauflagen weiterhin sinken, die von den USA ausgehende Zeitungskrise - verschärft durch das eingebrochene Anzeigengeschäft - auch hierzulande noch stärker spürbar zu werden droht, wird das Internet als Informationsquelle immer wichtiger.

Doch auch wenn die Zugriffe auf Zeitungswebseiten wachsen, so verdienen die Verlage damit bis dato wenig bis kein Geld - nach wie vor fehlt es an Geschäftsmodellen. Fatal ist nun, dass alle nach "Paid Content" schreien und zumindest teilweise auf Bezahlinhalte im Netz umsteigen wollen oder diesen Umstieg bereits vollzogen haben. Mein Rückblick 2010 wird dieses Thema sicherlich wieder streifen (müssen) ...

Contentindustrie immer noch ohne Plan

Die Überforderung klassischer mit den neuen Medien liess sich auch 2009 wieder an heftigen Urheberrechtsdiskussionen und dem damit verknüpften Online-Piraterieproblem ablesen. Das mittlerweile schon traditionsreiche Konfliktthema Copyrights gipfelte in diesem Jahr in der Verurteilung der schwedischen Pirate-Bay-Betreiber. Was folgte, waren weitere Prozesse, Verbote der Torrentseite in einzelnen Ländern sowie die (de facto gescheiterte) Stilllegung von Pirate Bay.

Quellen: pte u.a.

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| Artikel drucken Drucken | 04.01.2010 19:49

LD on 05.01.2010 10:25

Twitter ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits fördert es (wie Du richtig bemerkst) die "basisdemokratische" Vernetzung und die rasche Verbreitung von Nachrichten - vor allem in Staaten, in denen die Informations- und Meinungsfreiheit nicht gewährleistet ist. Andererseits trägt es weiter zum Information Overload bei. Das mit dem fehlenden Geschäftsmodell trifft jedoch auch auf Twitter genauso zu wie auf die Printmedien.

Der Unterschied von Twitter zu Blogs ist vergleichbar mit jenem zwischen Nachrichtenagenturmeldungen zu recherchierten Artikeln in den Tageszeitungen. Je kürzer ein Text ist, desto oberflächlicher ist er meist auch. Zugleich birgt er ein hohes manipulatives Potential, da einerseits seine Rezeption einfacher und schneller ist und andererseits die Faktenlage mangels Quellenangaben schwer verifizier- und validierbar ist.

Viele Zwitscherer twittern ihre sehr persönlichen und oft unüberlegten Gedanken einfach so in die grosse weite Welt hinaus und sind sich dabei nicht bewusst, dass jedermann mitlesen kann und das Netz nicht vergisst.

Ich will Twitter damit keinesfalls verteufeln, denn das Medium hat wie gesagt durchaus seine Vorzüge. Nur sollte es bewusster genutzt werden und nicht einfach, um die Welt mit irgendwelchem Gelaber voll zu müllen.

gis on 05.01.2010 12:00

@ LD:
Deine Beobachtungen sind durchaus richtig - und ich teile sie weitgehend. Nur: Es ist noch nicht so lange her, da wurde eben genau dieses den Blogs vorgeworfen. Ich erinnere da nur an die notorischen "Klowände des Internets" ...

LD on 05.01.2010 15:04

Blogs pauschal als "Klowände des Internets" zu bezeichnen, war von Jean-Remy von Matt als ausführende Agentur der Kampagne "Du bist Deutschland" als Frust auf die Reaktionen in der Onlinewelt des "Bürgerjournalismus" zu verstehen. Von Matt musste vor gut vier Jahren erfahren, dass Werber und Journalisten in dieser Welt keine Kontrolle mehr über die publizierte Meinung hatten. Das Oligopol einer "Elite" war durch die Demokratisierung der öffentlichen Meinung durch das Internet gebrochen.

Allerdings hatte von Matt nicht ganz unrecht. Einige Blogs kann man durchaus als Klowand bezeichnen. Doch ihre Zahl wird immer weniger, denn niemand begnügt sich mit Klowänden, auch wenn dort zuweilen auch Lesenswertes zu finden ist. So wird sich sicher auch die Zahl der Tweets entsprechend über längere Sicht ausdünnen. Das könnte man dann als "Darwinismus bei Twitter" bezeichnen.

JF on 12.01.2010 08:43

Betr. die alten Medien ist manchmal so, dass Nachrichten und Berichte über die Medien schon mal viel interessanter sind als das was sie bringen, deren Content. Diesen Umstand, diese geringe Wertschätzung wollen sie einfach nicht begreifen, weil sie sich das selber zuzuschreiben haben. Und so sind denn die Untergangsmeldungen der amerikanischen Medien auch recht interessant.

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