Home Kontakt Sitemap 
Home » Social Media » OpenForum08: Loïc Le Meur

OpenForum08: Loïc Le Meur

Loïc Le Meur
Loïc Le Meur (gis)

Wie gestern bereits angetönt, hatte ich am 26. Januar anlässlich des sechsten «Open Forums» die Gelegenheit, gemeinsam mit meiner Partnerin (cb) ein kurzes Interview mit dem bekannten Entrepreneur Loïc Le Meur zu führen. Le Meur war Gast des World Economic Forums und moderierte das Panel «Virtuelle Welten» am Open Forum. Hier die Übersetzung des in Englisch geführten Interviews, welches im original demnächst auch als Podcast erscheint.

«Wer mich anruft, landet direkt in meiner Voicemail.»

Loïc Le Meur, Jahrgang 1972, ist ein Entrepreneur aus Frankreich und CEO von Seesmic. Nach dem Verkauf der französischen Blogging Plattform Ublog war er u.a. Executive VP EMEA bei Six Apart, dem Käufer von Ublog. 2006 beriet er den späteren Präsidenten Sarkozy in Internet-Belangen. Er bloggt hier englisch und hier französisch.

gis: Was denkst Du, wie verändern virtuelle Welten wie Second Life oder Social Networks wie LinkedIn die Geschäftswelt?

Le Meur: Sie verändern die Art und Weise wie wir kommunizieren. Sie helfen den Menschen dabei, sich ihre eigenen Communites um sich herum aufzubauen. Egal ob es sich um 3D-Welten wie Second Life oder textbasierte Plattformen wie LinkedIn oder Facebook handelt, sie ermöglichen es uns, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende zu vertiefen. Solche Plattformen können zwar echte Zeitfresser sein, aber sie generieren auch Mehrwerte wie neue Geschäftspartner und ähnliches. Ich nutze solche Plattformen intensiv für mein eigenes Unternehmen. Sie sind – wie übrigens auch Twitter – ein einfacher Weg, um mit der eigenen Community in Kontakt zu bleiben und gemeinsam kreativ zu sein.

Und welchen Einfluss üben Social Software und virtuelle Welten auf die verschiedenen Generationen aus?

Ich denke, da bestehen grosse Unterschiede. Jüngere Menschen bewegen sich wie selbstverständlich auf diesen Plattformen. Für sie steht die Nutzung von Social Software an erster Stelle bei ihren Medienpräferenzen. Sie nutzen Social Networks und virtuelle Welten intensiver als zum Beispiel das Fernsehen oder Zeitungen. Dort holen sie sich ihre News, so sehen sie die Welt.

Meiner Meinung nach besteht ein grosser Graben zwischen jenen Menschen, die Social Software nutzen und jenen, die es nicht tun. Unsere Altersgruppe – ich bin 35 – steht irgendwo dazwischen. Ich sehe es am Beispiel meiner Kinder. Social Software ist ihr bevorzugter Kommunikationskanal.

Wir öffnen die Tür zu/wir stehen am Anfang einer neuen Welt, in der die Leute anders denken als zuvor. Ihre Denkweise ist viel offener/breiter und Teilen hat einen viel höheren Stellenwert. Das Teilen ermöglicht eine ganz neue Wertschöpfung. Die Leute lernen von ihren Bekannten und Freunden und sie scheren sich nicht um geografische Grenzen. Der Staat verliert an Bedeutung, Kontakte werden weltweit geknüpft. Und auch die Sprache verändert sich, denn man muss eine gemeinsame Sprache sprechen. Englisch wird darum noch wichtiger werden.

Wenn wir Social Networking-Seiten wie LinkedIn, Facebook oder im deutschsprachigen Raum auch Xing betrachten, was glaubst Du, wo werden wir in fünf Jahren stehen?

Wir stehen da erst am Anfang. Ich interagiere mit meinem Umfeld bereits bevorzugt nur noch über solche Plattformen. Die Benachrichtigungen und News der Networks checke ich vor meinen E-Mails. Ich will nicht, dass man mich anruft. Wer mich anruft, landet direkt in meiner Voicemail. Dort hört man dann auch die Aufforderung, mir ein E-Mail zu schreiben. So werden es immer mehr Menschen halten.

Schauen wir uns die Jungen an. Sie telefonieren kaum mehr, sie kommunizieren lieber über Tools wie Instant Messaging und andere. Wir werden also einen richtigen Systemwechsel erleben, der eine viel schnellere Kommunikation ermöglichen wird, als das sich viele noch vorstellen können.

cb: Was ist Deine Meinung zu WELCOM, dem neuen Social Network des World Economic Forums?

Ich bin der Meinung, dass jede Gelegenheit, die das Forum bietet, um die Themen auch nach dem eigentlichen Jahrestreffen hier in Davos zu vertiefen und weiter zu diskutieren, einfach fantastisch ist. Ich hoffe, WELCOM wird ein Erfolg.

Die vielen Teilnehmer des Forums sind sehr beschäftigte Leute und gehören zu der angesprochenen Generation jenseits des Gaps. Ein CEO eines grossen Konzerns beschäftigt vielleicht zehn Assistenten, die die Kommunikation für sie übernehmen. Hier liegt die eigentliche Herausforderung für WELCOM, denn die Chancen stehen schlecht, dass sie sich aktiv einbringen werden.

Was eine neue Generation von Teilnehmern betrifft, Menschen wie ich, die bereits mit solchen Tools arbeiten, für sie ist es eine tolle Initiative. Ich werde mir die neue Plattform sicherlich genauer ansehen. Dieser Ansatz des World Economic Forums, zusammen mit den «Davos Conversations» auf YouTube und dem Twitter-Stream ist grossartig.

Wir danken Dir für Deine Zeit.

Tags:

Bookmark: Post to yigg Post to webnews Post to folkd Post to misterwong Post to linkarena Post to Del.icio.us Post to Technorati

» Drucken 08.02.2008. 09:32

Pierro on 08.02.2008. 11:06

Interessanter Artikel, nettes Interview. Somit gern gelesen .
Ich denke der Herr Le Meur ist in absehbarer Zeit
nicht aus dem Netz wegzudenken; Seesmic ist grosses Kino!

gis on 08.02.2008. 11:58

Danke! Seesmic rockt tatsächlich :)

Kommentar schreiben

:

:

:

Verwandte Artikel

Wort|ge|fecht, das - Neues aus der schönen neuen Medienwelt. Dieser Blog befasst sich schwerpunktmässig mit Sozialen Medien (Social Media) und ihrem Einfluss auf die Welt des Marketings, der Public Relations und der traditionellen Medien. Unter Social Media verstehen wir Blogs, Wikis und alle anderen Formen kollaborativer Webanwendungen, wie sie im Web 2.0 entstanden sind und entstehen. Daneben finden sich hier auch Beiträge rund um das Internet, über Open Source und kommunikationswissenschaftliche Themen. Abgerundet wird die Berichterstattung durch Buchbesprechungen, Veranstaltungshinweise und Tipps zum Thema.