Frauen und Facebook

Die Frau, das unbekannte Wesen? Mitnichten. Da Frauen mittlerweile die interessantere Zielgruppe sind als Männer, scheuen die Marktforscher kaum mehr Mittel und Wege, um dem vermeintlich schwachen Geschlecht auf die Schliche zu kommen. Darüber, dass Frauen das Netz erober(te)n (Teil 1, 2, 3), gerne (online) einkaufen und mit dem Handy anders telefonieren und surfen als Männer, habe ich bereits geschrieben. Was nich gefehlt hat, war eine Analyse der weiblichen Facebook-Nutzung, gewissermassen stellvertretend für die Nutzung sozialer Netwerke. Wohlan, frisch ans Werk!
Facebook und seine zahlreichen Applikationen werden von Frauen und Männern völlig unterschiedlich genutzt. Die Popularität einer Facebook-Anwendung hängt in erster Linie davon ab, von welchem Geschlecht sie vorwiegend eingesetzt und ob sie weithin als «cool» eingestuft wird. Zu diesem Schluss kommen die Forscher Rebekah Russell-Bennet und Larry Neale von der Queensland University of Technology in Australien. Die beiden Wissenschafter untersuchten den Wert von beliebten Applikationen wie «Superpoke», «Scrabble» oder «Mousehunt», die eine Interaktion zwischen den Nutzern von sozialen Netzwerken ermöglichen.
Stautsgewinn, Wettbewerb und Selbstdarstellung
Laut Russell-Bennett wollen Frauen vor allem Applikationen, über die sie sich selbst irgendwie darstellen oder ausdrücken können. Männer hingegen würden in erster Linie die Herausforderung eines «sozialen Wettbewerbs» suchen. Facebook-Nutzer wollten demnach Applikationen besitzen und teilen, die ihren Status innerhalb des Freundesnetzwerks aufwerten. Für Frauen gehe es dabei um Selbstdarstellung, für Männer darum, wer der Beste sei.
Aus kommerzielle Sicht dürften diese Erkenntnisse für Unternehmen und Organisationen nicht uninteressant sein. Denn Russell-Bennett betont unter anderem, dass die meisten es bisher nicht wirklich verstehen, Applikationen zu entwickeln und jene Funktionen auszumachen, die die Nutzer tatsächlich dazu animieren, die Anwendungen auch an Freunde in ihrem Netzwerk weiterzuempfehlen.
Werbeeffekt mit Facebook-Applikationen
Manch einer mag sich nun fragen, Welchen Blumentopf es überhaupt mit Facebook-Applikationen zu gewinnen gibt. Ganz einfach: Populäre Applikationen können zehntausende Views pro Monat erzielen. Angesichts dessen, dass diese Anwendungen relativ günstig in der Entwicklung sind und nahezu kostenfrei vertrieben werden können, sind sie ein attraktiver Ersatz für traditionelle Werbung, so Russell-Bennett. Bisher sei es jedoch so, dass die Unternehmen Geld in Anwendungen investierten, die nicht wirklich erfolgreich seien. Daher seien die Erkenntnisse über die geschlechterspezifische Nutzung und darüber, was User zur Weiterempfehlung animiert, besonders hilfreich für die Marketingabteilungen. Idealerweise ergänzt man diese geschlechtsspezifischen Merkmale noch mit der Tatsache, dass Facebook-User allgemein angeblich eher besser gebildete - ergo besser vedienende - Menschen sind als MySpace-Nutzer.
Ach ja, der digitale Mann hingegen kommt natürlich schlecht weg.
Quellen: qut.edu.au, pte
» Drucken 21.07.2009 18:07
dankeweb2.0 on 22.07.2009 09:23
welch erleuchtung! "studien" unkritisch wiederzukäuen ist ein journalistischer fauxpas. das internet mit solchen sinnlos-artikeln zuzumüllen, um user zu generieren, die im besten fall auf werbung klicken, ist aber weitaus schlimmer. danke, internet. kleiner tipp: wie wärs mit ein wenig eigenrecherche? erfahrungsberichten? würde das ganze wenigstens nicht so peinlich dastehen lassen. frauen-männer-klischees zu kloppen ist heute einfach nur daneben. zwischen "selbstdarstellung" und "der beste sein" liegen natürlich welten...
uertner on 23.07.2009 18:29
Interessante überlegungen. Auf Facebook wurde ich tatsächlich von einer ehemaligen schulkameradin geholt, die als Mutter von vier Kindern und Frau eines sehr erfolgreichen Mannes.
gis on 23.07.2009 21:19
@dankeweb2.0: Hm, ich bin immer wieder amüsiert darüber, wie viele Menschen einen ironischen Unterton einfach überlesen (wollen/können), wenn sie ihn antreffen ... Und ihn dann nur anonym kommentieren (können/wollen).
Und nein, ich sehe mich nicht als "Journalisten" (ich bin ja kein alter Mann mit Kugelschreiber) - ergo kann ich auch keinen "journalistischen Faux-pas" begehen.






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