E-Mails "nicht mehr akzeptabel"

Stop E-MailGestern las ich auf Heise die Meldung, dass ein französischer IT-Dienstleister seinen Mitarbeitern die E-Mails abgewöhnen will. Innerhalb von drei Jahren soll die interne Kommunikation so umgestellt werden, dass ganz auf E-Mail verzichtet werden kann. Als Begründung wird angegeben, dass die "Masse der E-Mails, die wir im Berufsleben verschicken und erhalten, ist nicht mehr akzeptabel. Manager verbringen 5 bis 20 Stunden pro Woche damit, sie zu lesen oder zu schreiben." Dies die Aussagen des Chefs der betreffenden Firma, bei der es sich übrigens nicht um einen Einzelfall handelt.

Atos Origin will zur Reduktion des E-Mail-Aufkommens vor allem auf die bereits bestehenden internen Kollaborations- und Social Networking-Tools zurückgreifen. Die Abkehr von der E-Mail kann Thierry Breton, Chef von Atos, eindrücklich begründen: Im vergangenen Jahr hätten die 78'500 Mitarbeiter des Unternehmens täglich im Schnitt 200 E-Mails erhalten; davon waren 18 Prozent Spam. Mitarbeiter des mittleren Managements verbrächten ein Viertel ihrer Arbeitszeit mit der Suche nach Informationen.

Schöpft Atos das Potenzial aus?

Soweit so gut. Stutzig wurde ich beim letzten Satz im Heise-Beitrag: "Erste Ergebnisse direkterer Kommunikationswege zeigten, dass die Zahl der E-Mails um bis zu 20 Prozent verringert werden könne." Zwanzig Prozent? Da geht doch mehr! Und in der Tat, es liegen bis zu 75 Prozent drin, wie ich bereits 2007 in einem Beitrag beschrieben hatte. Die damals zur mittlerweile mit der Commerzbank fusionierte Dresdner Bank gehörende Investmentbank Dresdner Kleinwort hatte bereits 2006 ein Unternehmenswiki auf Basis von Socialtext eingeführt und in einer internen Weisung festgehalten, dass die Nutzung des Wikis dem Versenden von E-Mails vorzuziehen sei. Dies führte laut einer von Socialtext veröffentlichten, heute leider nicht mehr verfügbaren Fallstudie zu einer Reduktion des internen Mailaufkommens um 75 Prozent.

Halten wir also fest: Nur mit einem Wiki lässt sich der interne Mailverkehr bereits deutlich senken. Es braucht nicht mehr viel Vorstellungsvermögen, um sich auszumalen, was mit den neuen Kollaborations-Tools alles möglich ist, die in den letzten fünf Jahren seit 2006 hinzugekommen sind: Microblogging (Twitter, Yammer, Chatter), Social Network-Funktionen im Intranet, Messaging-Funktionen usw. usf. Ist es nun doch (endlich) an der Zeit, sich von der bereits 1971 erfundenen E-Mail zu verabschieden? Ja, zumal viele der jungen Menschen, mit denen ich zu tun habe und die definitv zu den Digital Natives gehören, über das Messaging von Facebook deutlich einfacher, schneller und verlässlicher erreichbar sind als über E-Mails. Auch darauf müssen sich Unternehmen einstellen.

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| Artikel drucken Drucken | 08.02.2011 17:55

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