Nokia und die Linux-Distros

Nokia & Tux

Es ist noch nicht so lange her, da habe ich anlässlich des Starts des MeeGo-Handys N9 ein längeres Lamento betreffend dem Verfall von Nokia und zu MeeGo veröffentlicht. Seither ist einiges geschehen: Nokia hat sich auch MeeGo zurückgezogen, Intel und die Linux Foundation machen unter neuem Namen weiter und Nokia kommt doch wieder mit einem eigenen OS.

Aus Maemo wird MeeGo wird Tizen wird ?

Nokia hatte als OS für seine Internet Tablets der N7xx- und N8xx-Reihe, die ihrer Zeit damals voraus waren, ein eigenes, auf Linux basierendes OS namens Maemo entwickelt. Später schloss sich Nokia dann mit Intel zusammen, das seinerseits mit Moblin eine eigene Distro für mobile Geräte im Angebot hatte. Aus dieser Vereinigung ging das neue OS MeeGo hervor. Kurz nach der Veröffentlichung des N9 verabschiedete sich Nokia aber aus dem gemeinsamen Projekt, um sich voll auf die Windows Phone 7 Strategie zu konzentrieren.

Intel fand aber in der Linux Foundation und der LiMo Foundation zwei neue Partner. Letztere entwickelt seit Jahren mit LiMo ebenfalls eine entsprechende mobile Distro. Aus MeeGo und LiMo wird nun Tizen. Neben den beiden Stiftungen und Intel ist u.a. auch Samsung mit an Bord:

Tizen soll als offene Plattform nicht nur auf Smartphones, Tablets und Netbooks zum Einsatz kommen, sondern auch auf Smart-TVs und in Infotainment-Systemen von Autos. Die Basis sollen HTML5 und die WAC-Plattform (Wholesale Applications Community) bieten, die die Entwicklung von Anwendungen mit Web-Technologien unterstützt. Auf diese Weise will man die Einstiegshürden für Entwickler niedrig halten und der gestiegenen Bedeutung von HTML5 und anderen Webstandards Rechnung tragen. (Quelle: ITespresso.de)

Ich bin gespannt, wie es da weitergeht, zum einen weil ich viel Freude an MeeGo auf meinem Asus Eee Netbook hatte und weil es leider immer noch an einer echten Linux-Alternative auf mobilen Engeräten fehlt. Hoffentlich wird es in absehbarer Zeit auch Tizen-Geräte zu kaufen geben - mit Samsung ist nämlich ein Anbieter an Bord, der neben Android- auch Bada- und Windows-Handys ausliefert. Zudem produziert Samsung - anders als Nokia - auch anderer Consumer Electronics wie Fernseher etc. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Nokia fährt nun doch nicht nur auf der Windows-Schiene

Nokia seinerseits überraschte jüngst mit der Ankündigung, sein in die Jahre gekommenes Symbian OS nicht nur durch Windows Phone 7 zu ersetzen. Gleichzeitig gab man bekannt, dass man 1'500 Symbian-Entwickler zu Accenture outsourced. Nokia will mit Meltemi ein neues OS für seine Low-End-Handys (Feature Phones) entwickeln, auf denen bislang Symbian S40 lief. Diese Ankündigung ist, zumindest vorläufig, sinnvoll.

Nokia N9

Nokia verkaufte im Q2 nämlich nur gerade 16.7 Mio. Smartphones (für durchschnittlich 142€), aber eindrückliche 71.8 Mio. Feature Phones (für 36€/Stück). Nokia ist also allen Hiobsbotschaften im Smartphone-Bereich zum Trotz weiterhin ein Schwergewicht bei den einfachen Handys. Diesen Markt will sich die Firma mit Meltemi sichern, denn sowohl Windows Phone 7 wie auch MeeGo stellen zu hohe Anforderungen an die Hardware. Auf der anderen Seite erwarten die Kunden auch von Feature Phones immer mehr Funktionalitäten. Mit Meltemi soll das möglich werden, Symbian S40 bietet das hingegen nicht:

The S40 engine is old and patchy. Hack off the unnecessary limbs from a Linux 'distro', graft some hooks into a Ovi + Navteq + Microsoft Bing service, and we have our own entry-level phone OS. (Quelle: mondaynote.com)

Klar ist aber auch, dass dieser Markt in absehbarer Zeit verschwindet, da die Herstellung der Smartphones immer billiger wird. Bis dahin hofft wohl Nokia, die Lücke mit Meltemi zu füllen, um anschliessend mit Windows Phone 7 punkten zu können. Ob das klappen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Eine ausführliche Übersicht über den aktuellen Stand der Dinge bei Nokia per 03. Oktober 2011 hat übrigens t3n hier veröffentlicht.

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| Artikel drucken Drucken | 03.10.2011 18:26

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