Free as in Freedom

Freedom

In einem Blogbeitrag hat Richard Stallman die vor wenigen Wochen von Microsoft gegründete Codeplex Stiftung kritisiert. Stallman ist der Meinung, die Open Source-Stiftung konzentriere sich zusehr auf den technischen Aspekt von Open Source und vernachlässige so den - für Stallman und seine Free Software Foundation FSF so wichtigen - Kern der Idee quelloffener Software: Die Freiheit der Entwickler und Anwender.

Freie Rede vs. Freibier

Das Ziel freier, quelloffener Software ist es nicht, die Anwender mit kostenloser Software ("Freibier") zu versorgen. Vielmehr geht es darum, die Freiheiten aller zu respektieren und zu fördern, die damit zu tun haben: Die Freiheit, sie zu benutzen, sie zu studieren und zu verändern und sie mit oder ohne Veränderung weiterzuverteilen. Freie Software verwirklicht also klassische Freiheitsrechte ("Freie Rede") und transportiert sie in die Welt der IT. Sie bietet gewissermassen den radikalsten Lösungsansatz dazu, wie Kultur und Leben in einer digitalisierten Welt geregelt werden können, wie in einer solchen Welt die essentiellen Freiheiten gewahrt und gewährt werden können. Diese Radikalität ist es, die freie Software allgemein und Stallman im Besonderen zur Zielscheibe werden lässt. Andere Ideen alternativer Lizenzen wie zum Beispiel Creative Commons wählen da hingegen eine viel moderatere Herangehensweise.

Mit seiner Kritik an Codeplex knüpft Stallman auch an seine alte Kritik am Begriff Open Source an, denn freie Software und Open Source ist nicht immer dasselbe:

Fast alle Open-Source-Software ist Freie Software; die beiden Begriffe meinen fast dieselbe Art von Software. Dennoch stehen sie für Ansichten, die auf vollständig verschiedenen Wertesystemen beruhen. Open Source ist eine Methode zur Entwicklung (von Software); Freie Software ist eine gesellschaftliche Bewegung. Für die Freie-Software-Bewegung ist Freie Software ein ethisches Gebot, denn allein Freie Software respektiert die Freiheiten des Anwenders. Im Gegensatz dazu betrachtet die Open-Source-Philosphie nur die Frage, wie wir Software "verbessern können", aber allein im praktischen Sinne. Für sie ist nicht-freie Software eine suboptimale Lösung. Für die Freie-Software-Bewegung hingegen ist nicht-freie Software ein gesellschaftliches Problem, dessen Lösung der Umstieg auf Freie Software ist.

Radikale Traditionslinie

Wie Christian Imhorst hier treffend bemerkt, steht Stallman mit seiner Radikalität in der Tradition des amerikanischen (Individual-)Anarchismus. Diese Traditionslinie hatte ich vor einigen Jahren kurz umrissen:

Leider habe ich mich seither nicht mehr weiter mit dem Thema befasst. Da ich mich aber in letzter Zeit den historischen und philosophischen Fragestellungen an die Technik nähere, möchte ich das Thema wieder aufgreifen. Ich hoffe, demnächst hier weitere Texte zum Thema zu veröffentlichen.

Bildquelle: Flickr (The unnamed), CC by-sa 2.0

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| Artikel drucken Drucken | 13.10.2009 17:42

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