Nation Wide Webs
China filtert den gesamten Datenverkehr im Internet. Aussortiert werden neben Pornographie auch allerlei angeblich schädliche Inhalte, so z.B. Bilder vom Tian'anmen-Massaker 1989 (s. Bild unten; es zeigt unterschiedliche Resultate der Google Bildsuche in China links und Grossbritannien rechts). Klar, die bösen Kommunisten, wissen wir doch, die trampeln mit Füssen auf den Menschenrechten herum. Bei uns (in der westlichen, fortschrittlichen, freien Welt) ist das ja kein Thema. Weit gefehlt!

Die australische Regierung hat sich nämlich darauf festgelegt, ISP-seitige Webfilter gesetzlich vorzuschreiben. Ein Beschluss im kommenden Jahr wird den Weg für eine aktive Filterung ab 2011 vorbereiten. Damit prescht Australien international vor. Die grossen ISP im Land unterstützen zumindest vordergründig sogar den Plan. Dabei gibt es international nicht nur bei Bürgerrechtlern Bedenken gegen derartige Filter: Erstens lassen sie die Tore weit offen für eine staatliche Zensur, zweitens dürfte eine Vielzahl von Webangeboten Opfer der so genannten False Positives werden.
Grosse Firewall nun auch im Westen
Wenn in Australien der Staat seine Bürger vor Kinderpornographie und exzessiver Gewalt per staatlich verordnetem Filter schützen will, ist das bei näherer Betrachtung aufgrund der potenziellen Vorbildwirkung bedenklich. Denn damit plant ein Land in der vermeintlich freien westlichen Welt einen Schritt, der seitens der australischen Organisation GetUp! bereits als australische "Grosse Firewall" bezeichnet wurde.
Gefährlicher Präzedenzfall
Australien schafft hier einen Präzedenzfall, dem vermeintlich besorgte Politikerinnen und Politiker überall auf der Welt nicht werden widerstehen können. Wenn sogar Australien filtert, dann muss das doch gut sein. Spätestens bei den nächsten Wahlen in Deutschland wird das Zugangserschwerungsgesetz (Netzsperren gegen vermeintliche KiPo-Seiten) wieder ein Thema werden. Von den Entwicklungen in der Schweiz will ich gar nicht mal sprechen! KiPo und Bomben-Bastelanleitungen sind nur der Anfang einer Entwicklung, an deren Ende kein World Wide Web mehr steht, sondern eine Vielzahl von Nation Wide Webs, deren Inhalte je nach Gusto und Couleur des aktuellen Herrschaftsapparats gefiltert sind. Damit wäre - sehr überspitzt formuliert - die aktuelle "Gleichschaltung" der klassischen Massenmedien mittels einem paternalistischen Nanny State auch ins Internet ausgedehnt worden. Totale Kontrolle über alle Inhalte also.
Quellen: GetUp!, pte
Bildquellen: GetUp!, HuffPo
» Drucken 17.12.2009 18:26
LD on 18.12.2009 11:11
Wenn der Staat die Leitkultur vorgibt, sind wir nicht mehr weit weg vom Totalitarismus. Doch wer ist dieser Staat? Eine selbsterleuchtete, intellektuelle Elite bestimmt, was gut und was böse ist. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs glaubten wir in Europa, vor solchem Kultur-Terror befreit worden zu sein. Doch weit gefehlt!
Elektronischer Personenausweis, Internet-Pass, DNA-Datenbank, Vorratsdatenspeicherung, ... Der Überwachungsstaat ist in vielen Bereichen schon Realität. Mir graut's!
Ich frage mich allerdings, wieso wir nicht schon lange Firewalls für Kioske, Erotik-Shops und Bücherläden haben.






Unabhängige Beratung 2.0 - Kommunikation im Social Web für KMU, NGO und Selbständig-erwerbende.
Das Wiki befasst sich mit Social Media und deren Einfluss auf PR, Marketing und traditionelle Medien.
Share this
RSS
Kommentar schreiben