Multitouch und 10/GUI

Multitouch wird in Zukunft wohl die dominierende Eingabemethode sein. Derzeit gibt es jedoch noch einige Entwicklungshemmnisse, die gelöst werden müssen. Vor allem mangelt es noch an vernünftigen, mehr oder weniger fensterlosen Benutzeroberflächen. Aber auch die Technik spielt eine Rolle: Laut dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) entscheidet die zugrundeliegende Tastschirmtechnologie über Leistung und Funktionalität von Multitouch-Systemen. Im Rahmen des Projekts "SemanticTouch" deckt das Institut solche Stolperfallen auf. Derweil zeichnet es sich ab, dass wir nicht bis in alle Ewigkeit mit Tastatur und vor allem einer Maus mit dem Rechner interagieren. Mit 10/GUI existiert dazu eine interessante Studie, wie in Zukunft die Multitouch-Interaktion aussehen könnte.
Den Begriff Multitouch verwenden die Fraunhofer-Wissenschafter für berührungssensitive Eingabegeräte, die bei einer Mensch-Computer-Interaktion mehrere Berührungspunkte gleichzeitig erfassen und verarbeiten können. Das können entweder optische Systeme - eine Kamera erfasst die Bewegungen - wie beim Surface von Microsoft oder kapazitive Verfahren wie beim iPhone von Apple sein. Erstere eignen sich vor allem bei grossen Displays, letztere sind sehr für mobile Geräte geeignet.
Patentfrage und Barrierefreiheit
Verglichen mit Spracheingaben haben Multitouch-Eingaben den Vorteil, von der Geräuschkulisse unabhängig zu sein. Zudem scheinen viele Menschen Hemmungen zu haben, mit Maschinen zu sprechen. Aber die Erkennung von Gesten birgt ebenfalls einige Gefahren in sich. Es gibt nämlich bereits Patente auf Gesten, durch die andere Hersteller gezwungen werden, auf andere als die als natürlich empfundenen Gesten auszuweichen.
Doch auch der Faktor Barrierefreiheit könnte eine tragende Rolle spielen. Zum Beispiel sind Menschen mit Armprothesen nicht in der Lage, Systeme, die spezielle Eingabestifte voraussetzen, in Anspruch zu nehmen. Die Multitouch-Technologie wird daher laut Fraunhofer IAO zuerst Einzug in den Unterhaltungsbereich halten und für Prestigeanwendungen in Frage kommen. Im Bereich mobiler Internetgeräte führt für Hersteller in Zukunft aber kein Weg an Multitouchtastschirmen vorbei.
Stolperfalle GUI
Eine mangelnde Anpassung der Betriebssystem wird mitunter als Hemmnis für eine breitere Etablierung auf den Märkten angesehen. Es gab zwar schon Linux-Versionen, die versucht haben, sich dem Thema multiple Eingaben durch mehrere User anzunähern. Mit Windows 7 kommt aber erst jetzt ein vollwertiges Betriebssystem auf den Markt, das Multitouch unterstützt. Sehr entscheidend für die Akzeptanz solcher Systeme wird jedoch die Benutzeroberfläche, die so genannte GUI, sein. Die Fenstertechnik, wie wir es von nahezu allen Betriebssystemen her kennen, wurde ursprünglich vor über 25 Jahren von Xerox entwickelt und seither kaum mehr ernsthaft in Frage gestellt.

R. Clayton Miller tut dies nun mit seiner Studie 10/GUI - jedenfalls verzichtet 10/GUI darauf, jedes neue Programmfenster über die alten zu legen. Die Steuerung erfolgt statt mit einer Maus mit allen zehn Fingern. Dabei bleibt der Bildschirm "dumm", das heisst es wird kein Touchscreen verwendet. Dies hat ergonomische Gründe: Erstens wäre es sehr mühsam, ständig mit ausgestreckten Armen arbeiten zu müssen, zweitens wären dabei die Hände ständig im Blickfeld und würden einen wesentlichen Teil des Bildes verdecken. Die Lösung ist daher ein multitouchfähiges Eingabegerät, welches die herkömmliche Tastatur ersetzt.
Da Bilder bekanntlich mehr sagen als Worte, hier das Demovideo:
Mehr über 10/GUI erfährt man hier auf der Projektseite oder hier bei TechCrunch.
Quellen: TechCrunch, pte
Bildquellen: TechCrunch, IAO
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Drucken | 21.10.2009 18:32
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