Multimedia-Suchmaschine DIVAS

Die Suche nach Informationen im Netz ist nicht ohne Fallstricke, schliesslich ist Grossteil der im Internet veröffentlichten Daten gar nicht indiziert und damit mit Suchmaschinen nicht auffindbar. Ein weiteres grosses Problem stellt die Suche nach nicht-textbasierten Informationen dar: Multimedia-Dateien enthalten zwar oftmals manuell hinzugefügte Metadaten, aber diese können fehlerhaft sein. zudem verlangsamt das Entpacken komprimierter Daten den Suchvorgang. Hier will nun die Multimedia-Suchmaschine DIVAS Abhilfe schaffen.
Digitale Fingerprints sollen helfen, Video- und Audio-Dateien aufzuspüren: das Party-Video im Internet, den Werbespot im laufenden Fernsehprogramm oder den langen Originalbeitrag zum kurzen Filmschnipsel im Archiv des Senders. Die Fingerprints von Musikdateien können Auskunft geben über Tempo, Genre oder den Anteil rhythmischer Instrumente. Die von Videos enthalten unter anderem Informationen über Szenenwechsel, Kamerabewegungen oder Bildhelligkeit. Im Gegensatz zu manuell eingegebenen Metadaten sind die automatisch generierten Fingerprints immer eindeutig. In vielen Archiven – etwa von Fernsehsendern – werden sie beim Einstellen der Datei erzeugt. Anders sieht es im Internet aus: Hier müssen die Fingerprints bei jedem Suchvorgang neu erstellt werden. Dazu war es bislang nötig, komprimierte Dateien zu dekomprimieren. Mit der Multimedia-Suchmaschine DIVAS, kurz für Direct Video & Audio content search Engine, ist das nicht mehr nötig. Sie findet die gesuchte Datei, ohne den gesamten Medienbestand vorher zu entpacken.
Suchmaschine und Monitoring-Tool
DIVAS eignet sich zur Suche im Internet und in Archiven ebenso, wie zum Monitoring von TV-Programmen, um etwa die vertragsgemässe Ausstrahlung eines Werbespots zu überprüfen. Weil die Software von komprimierten Dateien Fingerabdrücke nehmen kann, arbeitet sie schneller als vergleichbare Suchmaschinen. Bei Testreihen am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau mit MP3-Dateien hat sich die Suchdauer fast halbiert. Die Extraktion der Fingerabdrücke funktioniert sogar mit Musik-Dateien, die per Handy von einem Lautsprecher aufgenommen wurden.
Die Fingerprints werden im MPEG-7-Format gespeichert, dem ISO-Standard zur Beschreibung multimedialer Daten. DIVAS kann sowohl für eine Ähnlichkeitssuche zum Abgleich von Video- und Audioinhalten, als auch zur themenbezogenen Datensuche eingesetzt werden, um etwa Songs einer bestimmten Stilrichtung zu finden. Die Software arbeitet mit Audio- und Videoformaten wie MP3-, AAC-, H.264- und MPEG-2. DIVAS entstand in einem EU-Gemeinschaftsprojekt, an dem sieben Partner aus sieben Ländern beteiligt waren. Darunter auch der belgische Fernsehsender BETV, der die Multimedia-Suchmaschine in seinem Archiv einsetzen will.
Die Projektseite unter www.ist-divas.eu ist derzeit leider nicht erreichbar.
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Drucken | 06.04.2010 18:06
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