Auf der Suche nach dem Ton

Auf der Suche nach der Musik im Netz

Im Internet liegt eine gigantische Menge von Wissen. 2007 schätzten die Analysten von International Data Corporation (IDC) die Datenmenge auf 281 Exabyte (281 Milliarden Gigabyte). Bis 2011 soll die Datenmenge jährlich um 60 Prozent auf dann 1'800 Exabyte (1.8 Billionen Gigabyte) anwachsen. Ein Grossteil dieser Daten bleibt aber unerschlossen, weil sie mit den heutigen Findmitteln und Suchmaschinen nicht auffindbar sind. Dazu gehören vor allem auch Multimedia-Dateien. Forscher vom Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken haben nun Verfahren entwickelt, um Musikstücke aufzuspüren und miteinander vergleichbar zu machen.

Ein grosser Teil der Daten lässt sich bislang gar nicht finden, weil es noch keine Technik gibt, die die Information aufspüren kann. So sind viele digitale Datenbestände heute zu einem grossen Teil nichts anderes als ein gigantischer Datenfriedhof. Meinard Müller, Informatiker am Saarbrücker Max-Planck-Institut für Informatik, arbeitet daran, das verschüttete Wissen nutzbar zu machen. Seine Spezialität ist die gezielte Suche nach Musik in Ton, Text und Notenschrift.

Grundlagenforschung und erste praktische Anwendung

Dazu gehört unter anderem der "Multimodal Music Player", eine Software, die auf verschiedenen Wegen nach Musik fahnden kann. Es genügt, dem Player einige Takte vorzuspielen, und schon erspürt er in Datenbanken die Partitur des ganzen dazugehörigen Musikstücks oder eine Reihe verschiedener Tonaufnahmen. Ein Klick in die Partitur und die entsprechende Stelle des Klavierkonzerts oder Oratoriums erklingt. Während die Musik abgespielt wird, kann der Nutzer zwischen den Interpretationen der verschiedenen Dirigenten hin- und herwechseln. So wird ein direkter Vergleich der Aufnahmen möglich.

Der Player ist aber nur der sichtbare Teil der Grundlagenforschung. Die automatisierte Verarbeitung und Analyse von Musik- und Audiodaten ist alles andere als trivial. Den harten Anschlag auf einem Klavier kann der Computer noch einigermassen leicht erkennen. Doch der auf einer Geige gespielte Ton ist eine Mischung von Oberschwingungen, von Vibrationen, ein Geräusch des langsam anschwillt, dessen Anfang und Ende kaum zu erkennen ist. Noch schwieriger ist es für Maschinen, den Klangteppich eines Orchesters zu interpretieren, in dem einzelne Töne kaum mehr auseinanderzuhalten sind.

Audiomatching: akkustischer Abgleich verschiedener Dateien

Müllers Verfahren sind jedoch in der Lage, musikalische Themen in einem Musikstück wiederzufinden. Beim Audiomatching, einem akustischen Abgleich, werden Musikstücke auf Basis von Charakteristika wie etwa Harmonien oder Rhythmen miteinander verglichen. Damit kann der Computer dann unterschiedliche Versionen eines Musikstücks oder sogar Coverversionen finden. Derzeit arbeiten die Forscher unter anderem daran, den akustischen Datenstrom in leicht verdauliche Abschnitte zu zerlegen, um darin zum Beispiel sogar einzelne Akkorde zu erkennen.

Während der Cebit in Hannover wird Müller vom 2. bis zum 6. März zeigen, wie seine Suchwerkzeuge arbeiten (Halle 9, Stand B 43).

Quelle: mpg.de
Bildquelle: bellhäuser - das bilderwerk (mpg.de)

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| Artikel drucken Drucken | 23.02.2010 17:51

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