TV-News im Vergleich

Franzosen trinken nur Rotwein, Italiener sind die besseren Liebhaber und die Deutschen sind obrigkeitsgläubig. Diese und viele andere Klischees bzw. Stereotypen begegnen uns tagtäglich. Ein Forschungsprojekt von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim will nun in Zusammenarbeit mit Partnern aus 18 verschiedenen Ländern der Frage auf den Grund gehen, wie Fernsehnachrichten die Fremdwahrnehmung der Bevölkerung im Ausland prägen. Ausgehend von der Annahme, dass Auslandsnachrichten im TV massgeblich bestimmen, was Menschen von anderen Nationen denken, wollen die Forscher herausfinden, welche Klischees durch die Fremdwahrnehmung gebildet werden. Im Mittelpunkt des Projekts steht all das, was Journalisten in den diversen Ländern für berichtenswert halten und wie die Bevölkerung das konstruierte Bild verinnerlicht.
Für die qualitative Inhaltsanalyse haben die Forscher rund 800 Nachrichtensendungen von 36 Kanälen, 1'500 Beiträge und tausende Minuten Sendematerial auf Band oder Festplatte zur Verfügung. An der Auswertung arbeiten Wissenschaftler aus der ganzen Welt mit. Als Grundlage dienen den Forschern zudem Erkenntnisse aus vorangegangenen Untersuchungen, etwa im Bereich der Wirkungsforschung. «Diese zeigen nachdrücklich, dass es deutliche Unterschiede in den Themen und Darstellungen der Nachrichten in verschiedenen Ländern gibt», sagt Thorsten Quandt, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Hohenheim.
Länderspezifische Unterschiede
Ausserdem konnten die Wissenschaftler bereits erste Unterschiede bei der formalen Gestaltung von Sendungen feststellen. Während beispielsweise die Tagesschau in Deutschland exakt 15 Minuten dauert, können sich Nachrichten in Bulgarien auf eine Länge von bis zu einer Stunde hinziehen. Auch dass ein einzelner Sprecher die Nachrichten abliest, sie für fremde Beobachter eher ungewöhnlich. In vielen Ländern ähnelten die Nachrichten einer Diskussionssendung mit mehreren Teilnehmern, so die Forscher. Darüber hinaus zeigen sich auch im Inhaltsvergleich erste Ergebnisse. So wird etwa über die Supermacht USA weltweit am häufigsten berichtet, doch auch Deutschland kommt aufgrund der wirtschaftlichen Stärke in die Top-Ten. China wiederum zählt aufgrund seiner wachsenden ökonomischen Bedeutung zu den Nachrichten-Auftsteigern, wohingegen Afrika - abgesehen vom Nahen Osten - in der Auslandsberichterstattung nur marginal vorkommt.
Boulevard total
International vergleichbar sind ausserdem die Unterschiede zwischen Nachrichten von öffentlich-rechtlichen und Privatsendern, wobei die Privaten deutlich häufiger Sensationsberichterstattung betreiben. Besonderes Augenmerk wollen die Forscher aber auch auf Unterschiede verschiedener Gruppen innerhalb der Bevölkerung legen. Laut Quandt ist es möglich, dass Menschen mit unterschiedlichem Bildungsgrad auch ganz andere Schlüsse aus den einzelnen Sendungen ziehen oder Frauen Nachrichten anders wahrnehmen könnten als Männer.
Konstruierte Realitäten
Bei der wissenschaftlichen Erforschung geht es nicht um die Vermittlung von Normen, sondern um die Präsentation - vermeintlicher - Fakten in den Nachrichten. Diese sind nämlich mitnichten eine reale Abbildung der «Welt da draussen», sondern sie unterliegen Konstruktionsprozessen, zeigen uns also eine eigene, konstruierte (Medien-)Realität. «Das ist aber den Zuschauern oft nicht bewusst und sie nehmen daher das Präsentierte viel stärker als wahr an - selbst wenn einzelne Aussagen hinterfragt werden können, wird die medienvermittelte Weltsicht weitgehend akzeptiert. Insofern können wir hier von besonders starken und nachhaltigen Wirkungen dieses Formats ausgehen», so Quandt abschliessend.
Quellen: Uni Hohenheim, pte
Bildquelle: stock.xchng
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Drucken | 07.09.2009 17:56
LD on 08.09.2009 13:26
Nichts ist in Wirklichkeit ganz so, wie es sich in den Medien darstellt. Deshalb gibt es auch nur eine schwache Korrelation zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung ;-)


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