Mit Technik gegen den Media Bias

Opinion

Ein grosser Anteil an der Kritik, die am Online-Journalismus geübt wird, bezieht sich auf die - wie diese Studie hier zum Beispiel belegt - wenig ausgewogene Berichterstattung, den sog. Media Bias. Gerade News-Aggregatoren wie das viel gescholtene Google News könnten aber mit technischen Mitteln für mehr Ausgewogenheit bei der Darstellung von journalistischen Online-Inhalten sorgen. Wie man im modernen Medien-Wirrwarr von verschiedenen Positionen, Parteien oder Interessensgruppen mehr Klarheit schaffen könnte, daran arbeiten Wissenschafter des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST).

Mit Hilfe eines Analyse-Tools werden Zeitungsartikel automatisch auf die zentralen darin vorkommenden Personen, Organisationen und Standpunkte durchleuchtet. Mit der Analyse sollen sogar die komplexen Beziehungen der Protagonisten durchleuchtet werden.

Ganzheitliches Verständnis von Nachrichtenthemen

Die Software durchforstet beliebige Zeitungsartikel zunächst nach etwaigen direkten und indirekten Zitate. Werden entsprechende Textpassagen gefunden, werden sowohl der dafür verantwortliche Zitatgeber als auch andere eventuell angesprochene Personen bzw. Parteien identifiziert. Gleichzeitig wird auch überprüft, ob die getroffenen Aussagen positive oder negative Formulierungen verwenden. Die gewonnen Erkenntnisse dienen dann dazu, sowohl die zwei Hauptprotagonisten zu ermitteln, die im Artikel zu Wort kommen, als auch deren Beziehung zueinander zu entschlüsseln.

Der Ansatz erinnert etwas an den PageRank von Google - wobei hier allerdings nicht Webseiten aufgrund von ein- und ausgehenden Links, sondern aufgrund der vielschichtigen Beziehungen einzelner Akteure geordnet werden.

Die Software hat erste Tests mit koreanischen Artikeln erfolgreich bestanden, wie der New Scientist berichtete. Sie wurde mit insgesamt 250 Nachrichtenartikeln gefüttert, die 14 verschiedene Themen behandeln, wobei offenbar in 70 Prozent der Fälle die beiden Hauptakteure der Kontroversen identifiziert werden konnten. Als Beispiel nennt hier der New Scientist den Zwischenfall von 2010, als das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan versenkt wurde. In der Analyse wurden die beiden Staaten Nord- und Südkorea korrekt als Hauptakteure identifiziert.

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| Artikel drucken Drucken | 31.08.2011 08:19

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