Von Eisenbahnen und Zeitungen

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Aufstieg und Fall: früher oder später trifft es alle Magnaten. (stock.xchng)

Kennen Sie Leland Stanford? Oder Cornelius Vanderbilt? Die Namen klingen doch irgendwie vertraut - kein Wunder, ersterer war Gründer der gleichnamigen Ivy League-Universität, letzterer war Begründer der bekannten Unternehmerdynastie. Beide verbindet die Tatsache, dass sie zwei der vielen Eisenbahn-Barone in den USA des 19. Jahrhunderts waren. Sie waren gewissermassen die Bill Gates' ihrer Zeit. Oder besser, die Rupert Murdochs. Denn ihr Geschäftszweig, die Eisenbahn, wurde genauso durch neue Technologien verdrängt, wie es derzeit den klassischen Massenmedien widerfährt. Diese Analogie jedenfalls zieht James Surowiecki in der aktuellen Ausgabe des «New Yorkers».

In diesem Artikel wirft Surowiecki, Autor des bekannten Buches «The Wisdom of Crowds» (deutsch), einen Blick in die Zukunft der arg gebeutelten Zeitungsbranche des Landes. In den letzen vierzig Jahren verlor sie prozentual rund die Hälfte ihrer Abonnenten. Zeitungen werden eben immer weniger gelesen und die Werbeeinnahmen gehen in den Keller. Eines der jüngsten Opfer ist die Tribune Company, die erst vor einem Jahr von einem anderen Magnaten, dieses Mal aus der Immobilienbranche, Sam Zell, aufgekauft worden ist. Sie musste Gläubigerschutz beantragen.

Unfähig, sich dem Wandel anzupassen

Surowiecki führt als Grund für diesen Niedergang der Zeitungen die Unfähigkeit der Branche, sich dem Wandel anzupassen. Hier kommt auch die Analogie zu den Eisenbahn-Magnaten ins Spiel. In einem Artikel aus dem Jahr 1960 mit dem Titel «Kurzsichtigkeit im Marketing» («Marketing Myopia», Harvard Business Review) führte Theodore Levitt die Eisenbahnen als exemplarisches Beispiel für die Unfähigkeit von Unternehmen an, sich wandelnden Verhältnissen anzupassen. Demnach hätte die zunehmende Konzentration auf Produkte statt auf Kunden die Eisenbahngesellschaften zu einer Verkennung ihres Kerngeschäfts geführt. Hätten sie realisiert, dass sie in der Transportbranche statt im Bahngeschäft sind, hätten sie sich auf Lastwagen- und Flugtransport verlegen können, statt dieses Feld anderen Unternehmen zu überlassen.

Entsprechend kann argumentiert werden, wenn Zeitungen (früher) begriffen hätten, dass sie in der Informationsbranche und nicht im Druckgeschäft tätig sind, sie sich schneller und mit mehr Erfolg ans Internet hätten anpassen können. So aber mussten sie die Führung Google und Co. abgeben.

Quellen: new yorker, perlentaucher.de

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Von Michael Gisiger

 

Kommentare

LD

Ein äusserst treffender Vergleich!

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