Mediales Elitengeschwurbel
Die heutige Medienbeilage der altehrwürdigen NZZ ist der gegenwärtigen Medienkrise gewidmet, die mit dem rasanten Technologiewandel einhergeht. Dabei kreuzen Otfried Jarren, Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Zürich, und Ronnie Grob, Blogger bei medienlese.com, die Klingen. Während für Jarren die klassischen Massenmedien «unersetzbare soziale Institutionen» darstellen, argumentiert Grob, dass durch das Internet «Demokratie und Wettbewerb gefördert werden». Und natürlich steigt auch ras., mein Lieblings-Journi bei der NZZ, von seinem hohen Ross herab und liest uns allen in seinem Kommentar die Leviten: «ohne Eliten geht es nicht».
Zurecht hält Jarren fest, dass das Aufkommen eines neuen Mediums «jeweils zu Irritationen und Debatten über die Bedeutung und die Zukunft der traditionellen Medien» führt. Das war schon beim Radio so. Im Rest seines Beitrags argumentiert er jedoch entlang der Argumentationskette, dass einzig die Massenmedien einen effizienten (weil raschen und kostengünstigen) Zugang zu jenen Informationen ermöglichen, die letztendlich die Demokratie ausmachen. Dabei tut Jarren so, als ob alle andern Akteure im Meinungsmarkt wie «Blogger, Laienjournalisten oder Firmenkommunikatoren» subjektiv berichten, während einzig die Massenmedien als Intermediäre agieren würden. Für Jarren müssen diese Intermediäre sogar zwingend organisiert sein. Jarrens in meinen Augen atemberaubend ignorante Schreibe kulminiert in der Aussage, dass «nur Angebote der Push-Medien [...] potenziell in zeitlicher und sozialer Hinsicht für alle Rezipienten gleich verfügbar» seien. Klar, die aktive Informationssuche durch einen aufgeklärten Medienkonsumenten hat in diesem elitären Bild der (Massen-)Medien kein Platz.
Eine «Revolution von Unten»
Grob hingegen geht etwas frischer ans Werk. Anhand einiger Beispiele legt er kurz dar, dass der aktuelle Technologiewandel vor allem eines tut - er demokratisiert die Produktionsmittel und ermöglicht so eine «Revolution von Unten»: «initiiert von Informatikern, zum Teil aus Entwicklungsländern, aufgenommen von frühzeitigen Anwendern aus der ganzen Welt und kommerziell unterstützt von Investoren. Oder von Spendern, wie bei der Wikimedia [...]». Grob stellt in seinem Artikel den Elitären - also jenen, die auf «eine gut gebildete Elite [...] als Torwächter» setzen - die Weisheit der vielen gegenüber und kommt zum Schluss, dass das Internet mehr Wettbewerb und mehr Demokratie ermöglicht.
Adorno, oder: Ordnung muss sein!
Doch dann, Auftritt ras., der NZZ ureigener Kämpe alter Schule: «Die klassischen Medien sind bis anhin der Ort, wo dieses Wissen im Sinne der Aufklärung und in professioneller Weise der Öffentlichkeit vermittelt und verhandelt wird. [...] Gerade wenn die sozialen und medialen Umweltbedingungen instabiler, unübersichtlicher und unberechenbarer werden, braucht es umso mehr Akteure, die schnell Ordnung anbieten.» ras. weiss nicht nur, wo de Bartli de Moscht holt, nein, er weiss auch, dass es ohne Eliten nicht geht. Wahrscheinlich glaubt er, der - wen wundert's? - über Adorno seine Lizentiatsarbeit geschrieben hat, sogar selbst daran.
Bildquelle: der-blockwart.de
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